In Berlin sollen fußgängerfreundliche Ampeln erprobt werden, erklärt ein Beamter der Stadtentwicklungsverwaltung. Und da wir Berliner ja nicht wissen, was das ist (andernfalls wäre ja keine Erprobung nötig), werden gleich Beispiele genannt: „Ampeln, die blinkend mahnen, dass sich die Passanten mit dem Überqueren der Fahrbahn beeilen sollen“. Oder „Restzeitampeln“, bei denen ein Countdown für die verbleibende Überqueungszeit angezeigt wird.
Ich glaub’s nicht! Das Freijagen der Überwege soll fußgängerfreundlich sein? Nein, das ist Terror, die ohnehin Gejagten werden noch effektiver über den Zebrastreifen getrieben. Im Interesse der Autofahrer, die dann unbekümmert durchstarten können. Es gibt nur eine Art fußgängerfreundlicher Ampeln, solche, die die Autofahrer in Schach halten, alles andere ist repressive Verkehrserziehung.
Da tröstet es nur wenig, wenn auch Ampeln im Test sind, „an denen Fußgänger per Knopfdruck innerhalb kurzer Zeit grünes Licht anfordern können.“ Im Prinzip gibt es ja solche Ampeln bereits, auch wenn das mit der kurzen Zeit sicherlich ein innovativer Gedanke ist. Doch was soll man von solchen Fußgängerampeln halten, die, – zwischen Schule und Bushaltestelle aufgestellt – , auf den Knopfdruck hin überhaupt nicht reagieren? Und das schon seit gut einem Jahr (Steglitz, Albrechtstraße Übergang Elisenstraße). Kein Wunder wenn die Fußgänger ihnen die kalte Schulter zeigen und losgehen, sobald eine Lücke im Verkehr sichtbar wird. Ob das die richtige Fußverkehrsstrategie ist, kann man diskutieren. Doch eine gute Stadtentwicklungsverwaltungsstrategie wäre es allemal, die bereits vorhandenen Fußgängerampeln zu reparieren.