Public Viewing allerorten. Auf der Fanmeile, in Kneipen, Schwimmbädern, beim Nachbarn. Und in der Kirche. Dort hat man sich etwas besonders Originelles einfallen lassen: Man hat das Originalbild laufen lassen, den Ton dazu aber abgedreht. Stattdessen übernahm ein Orgelspieler die Kommen- tierung. Es handelt sich um einen renommierten Stummfilmbegleiter, der allerdings nach dem Spiel zähneknirschend eingestehen musste, es sei ihm doch nicht alles so gelungen. Macht nichts, können wir ihn trösten, der deutschen Mannschaft ja auch nicht.

Dennoch stellen sich einige konzeptionelle Fragen zum Vorgang der musikalischen Kommentierung: Wann schwenkt der Organist von Dur auf Moll? Darf er dabei überhaupt parteiisch sein? (Vielleicht muss er es sogar sein, angesichts der aufgeheizten Stimmung.) Und die Frage, die mich, seit ich von dieser Form der Fussball-Präsentation erfuhr, nicht mehr loslässt: Was geschieht musikalisch bei einer der zahlreichen Zeitlupen- Wieder- holungen