Was zur Zeit zweier deutscher Staaten mit unterschiedlichen ideologischen Vorzeichen im Westen und heute überall schamhaft hinter der Trikotwerbung verborgen wird, nämlich mit wessen Geld da gespielt wird, war einst im Osten offenes Geheimnis: Vereine im rechtlichen Sinn gab es nicht, sondern nur Betriebssportgruppen. Und das drückte sich im Namen aus: Dynamo, Turbine, Energie, Chemie, Stahl und dergleichen mehr hießen die Vereine mit „Vornamen“.
Einige dieser Vereine blieben ihren nach Schweiß und Tränen riechenden Namen bis in die neue, post-sozialistische Ära hinein treu, die meisten aber kehrten zu den Traditionsnamen zurück, unter denen der 1.FC sich besonderer Beliebtheit zu erfreuen scheint.
Fußball heute im Zeichen des Kapitalismus erfordert zum einen, dass man die Beziehungen zu eben jenem nicht allzu penetrant hinausposaunt, zum anderen aber, dass man diesen Kapitalismus, vertreten durch potente Unternehmen, als Sponsor gewinnt. So entsteht eine Win-Win-Situation, bei der für den Verein Geld fließt und für den Sponsor sich ein Vorteil bei der Vermarktung seiner Produkte oder Dienstleistungen ergibt. Der gemeine Fan schließlich hat noch einen Erlebnisnutzen, wenn nämlich der Verein, der von einem bestimmten Unternehmen unterstützt wird, auch noch erfolgreich ist. Es ist allerdings meines Wissens noch nicht untersucht worden, ob der Erfolg oder Misserfolg des unterstützten Vereins Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis des Sponsoren hat. In der letzten Spielzeit beispielsweise ist der Berliner Verein Hertha BSC in blamabler Weise aus der Bundesliga abgestiegen, doch die Deutsche Bahn als Hauptsponsor fährt immer noch. Und sponsert den Verein unverdrossen. Aber die DB sollte man vielleicht nicht zum Vergleich heranziehen, ist sie doch ein zäher Bursche, der schon so manchem Unwetter getrotzt hat.
Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR geht man inzwischen neue Wege, die Vereine lassen sich nicht nur sponsern, sondern erzeugen das Geld gleich selber. So jedenfalls sieht es ein Ost-Trainer, der in einem Interview mit der Mitteilung verblüffte, dass „in Cottbus sehr professionell Geld generiert wird.“ Warum also nicht gleich Klartext? Dann wüssten wir, mit wem wir es zu tun haben: FC Generator Cottbus oder FC Notendruck Rostock. (Die Sache mit der Hanse glaubt ja doch kein Mensch!)