Jede Zeit hat ihre Namen. Da gibt es einmal den Standardfundus, im Deutschen gehören beispielsweise Helga, Monika, Gisela, Peter, Bruno, Horst und andere dazu. Doch sie werden immer mehr an den Rand des Mainstream gedrängt durch Modenamen, deren Auftauchen und massen- hafte Verbreitung mit irgendeinem aktuellen Ereignis in Zusammenhang stehen, meist einem Medienereignis. Denken wir nur an Namen wie Kevin, Boris, Lola oder Chantal.

Das kann auch landesspezifisch sein, Japan weist da ein interessantes Phänomen auf. Traditionell kommt dem Vater (oder Großvater) die Rolle des Namensstifters zu. Und so wird es noch immer praktiziert. Viele Mütter wundern sich, dass ihre Töchter Namen tragen, wie man sie typischerweise nur von Nutten kennt. (Verzeihung für dieses Wort, in Japan schlägt man leisere Töne an: Hostess oder Model etwa. Doch der Unterschied liegt nur m Namen.)

Ich bin jetzt in das Alter der Jubiläums-Klassentreffen gekommen: 50 Jahre Abitur, 3. Jahrestag des 25. Klassentreffens und so weiter. Immer noch sind es viele, die kommen können, darüber freue ich mich sehr. Wundern tue ich mich aber über die Vornamen vieler Mitschüler, es dominieren Doppel-

namen: Hans-Jürgen, Hans-Joachim, Hans-Jörg etc.

Werden zwei Allerweltsnamen durch einen Bindestrich zwangsvereint, bleiben sie dennoch Allerweltsnamen. Warum also?

Der Grund wurde mir schlagartig klar, als ich eine Adressenliste der Teilnehmer erhielt, auf der die Vornamen bis auf das Initial weggekürzt waren. Da standen sie dann in blanker Eindeutigkeit: die HJ`s. Auch so kann man ein Regime unterstützen.

Natürlich kann und will ich meinen Mitschülern keinen Vorwurf machen. Der richtet sich an die Eltern. Ist es nicht ein Skandal, das Eltern ihren Kindern Namen aufbrennen dürfen, sie somit zu ihrem geistig-emotionellen Eigentum machen dürfen, als seien sie Pferde oder Schweine.

Eins aber will ich klarstellen: Ich bin auf meinen Vornamen alles andere als stolz.