Sehr geehrte Frau Zucker, nun hat es doch noch Steglitz erwischt! Lange Zeit war kein Platz in Ihrer Kolumne (Sagt man das auch bei Hörfunkbeiträge? Wo es doch überhaupt keine Kolumnen geben kann?) für Steglitz, angesichts des Miniatur-Charakters („100 Sekunden …“) tobte sich der Weltgeist anderswo aus. In Thailand vielleicht oder weiß ich wo.
Nun hat es Steglitz, mein Steglitz in die erste (?) Reihe der Schurken-Gemeinschaften geschafft. Hier sitzen die skrupellosen Hehler, die den Dealern ihre first-hand-Fuchsfelle nur so aus den Händen reißen.
So jedenfalls scheint es. Doch kürzlich erstand ich auf eben jenem Steglitzer Flohmarkt, einen Fuchs, – so einen, den man als Schal benutzt, wie heißen denn die Dinger? Na, Sie wissen sicher schon, und ich sah ihm in die Augen. Irgendwie kam er mir bekannt vor! War es nicht einer jener Füchse, die unsere kleinen, süßen Katzen meucheln und dann verspeisen? Um danach mit aufrecht gestellter Rute (Jägersprech!) selbstbewusst bis an die Grenze zur Arroganz durch das nächtliche Steglitz zu segeln? Einer war sogar einmal durch meinen Garten geschlendert, wobei er sich von den versammelten Hobby-Gärtnern nicht im mindesten irritieren ließ.
Aber zurück zu den Katzen: Was sollen wir verzweifelten Katzeneltern denn machen, wenn der Fuchs, statt im Supermarkt einzubrechen oder dessen Müll zu durchstöbern unbedingt Katzen-Frischfleisch verzehren will? Genau! Zur Selbsthilfe schreiten. Und so ist das, was Sie, Frau Zucker, auf dem Steglitzer Flohmarkt gesehen haben, nicht eine zum Töten gezüchtete Erste-Hand-Katze, sondern das schuldige Opfer eines Rachefeldzuges Steglitzer Katzenbesitzer.
Und das Recht dazu hat uns unser Gründungs-Narrativ gegeben, der die überragende Stellung des Menschen aus der bedingungslosen und technisch innovativen Aneignung dessen, was ihm die Natur zur Verfügung gestellt hat, herleitet. Sichtbarer Ausdruck unserer Überlegenheit ist die Degradierung des Fuchses zum Ornament.
Mich würde es daher nicht wundern, wenn eines Tages die Zehlendorfer, nachdem ihre Stellung gegenüber dem Wildschwein geklärt ist, sich mit dessen Hauern schmücken. Oder die Leute in Mitte sich den Skalp wildernder Touristen aufs Haupt setzen.
Die Steglitzer mögen langweilig sein, dröge und provinziell. Eines aber lassen sie nicht zu: Dass man ihnen die Butter vom Brot nimmt. Sprich: Dem Fuchs das Feld überlässt. Merken Sie sich das, Frau Zucker!