Es gehört dieser Tage zum guten Ton, sich als männlicher Rundfunkmoderator vom Frauenfußball zu distanzieren. Nicht alle tun das explizit, gewiss. Doch Dienst nach Vorschrift ist ja auch eine Form der Abwendung.

Nur wenige der Frauenfußballfeinde haben den Mut, das offen einzugestehen. Thomas Hollmann gehört dazu. In einer gesprochenen Glosse vor Beginn der WM erklärte er das Frauengekicke als unbedarft und langweilig. Seither hält er den Mund in Fußballfragen.

Die meisten aber distanzieren sich indirekt. In einigen Sportsendungen wird die Frauen-WM total ignoriert, der erstaunte Hörer erfährt am Ende, es habe sich um Sportnachrichten aus der Region gehandelt. Über eine Tennisspielerin (aus Berlin) beispielsweise, die in Wimbledon überraschend ins Halbfinale vorgestoßen war. Und andere Petitessen mehr.

Im Laufe der Zeit wurde die Form der Distanzierung dann doch etwas einfallsreicher. Neuerdings fällt auf, dass Sportmoderatoren, ehe sie ihr mehr oder weniger vernichtendes Urteil über ein Spiel oder eine Spielerin abgaben, darauf hinweisen, dass sie die Übertragung des Spiels nur in Ausschnitten gesehen hatten. Das ist beinahe so blöd wie Biathlon, dort: schießen und weglaufen, hier: nichts sehen, das aber kommentieren.