In einem meiner früheren Leben habe ich das Synchronschwimmen der Frauen die albernste Sportart aller Zeiten genannt. Vielleicht liege ich damit völlig daneben, muss ich doch nun selbst in meiner Lieblingszeitung lesen, dass es die wohl härteste aller Sportarten ist. Entscheiden mögen das andere, es geht hier nicht um den Charakter einer Sportart, sondern um den eines Journalisten.

Philipp Büchner hat für das RBB-Inforadio einen Bericht über das unterschätzte Synchronschwimmen verfasst, in dem er unter anderem auch die Trainerin der russischen Nationalmannschaft vorstellt (in der im übrigen sehr informativen und höchst verdienstvollen Rubrik abseits). Diese Vorstellung ist alles andere als schmeichelhaft. Beim ersten Vorkommen wird sie als „üppige Matrone“ geschildert, die sicherlich auch mit Boxern oder Eishockeyspielern klar käme. Das mag man noch erträglich finden, doch dann gerät die russische Dame in Wallung*. Als sie nämlich den erfolgreichen Vollzug der Übung ihres Teams mit heftigem Applaus feierte. Der Kollege aus der Sportredaktion schildert uns den Vorgang höchst anschaulich: Ihr stürmischer Applaus lasse das Goldkettchen „am fleischigen Arm auf- und abpendeln“.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Und nun versuchen Sie sich vorzustellen, über den Trainer einer Fußball Nationalmannschaft wird gesagt, seine überschwänglich Freude habe ihn einen Freudentanz aufführen lassen, bei dem die seine Hüften umlagernden, mit Fett bewehrten „Rettungsringe“ ins Trudeln geraten sein.

Nicht einmal Zeitungen auf dürftigsten Niveau leisten sich derartige Ausrutscher.

Bei Frauen aber fällt so etwas naturgemäss auch gleich ins Auge. Selber Schuld, wenn sie dennoch in den Sport drängen.

Das Sternchen (*) habe ich selber gesetzt, um zu zeigen, wie bedrohlich nah und oft unbemerkt wir der Kontamination durch sexistische Sprach-und Denkmuster ausgesetzt sind. Doch ich meine, wir können es merken. Wer etwas merkt und gleichwohl untätig bleibt, dem, ja dem ist nicht zu helfen.