Barbara Bollwahn hat sich verabredet. Mit einem Mann. Die taz, für die sie schreibt oder arbeitet (vielleicht auch beides), spielte dabei die Rolle einer Kontaktbörse, ein Sachverhalt, auf den sie mit leise anklingender Ironie hinweist.
Das Menscheln in einer herzlos-linken Redaktion, die täglich mit erhobener Faust in den Klassenkampf zieht, möchte man anrührend nennen. Wäre es mit einem einmaligen Blick hinter die Kulissen getan. Doch wir haben Weiterungen zu befürchten: Frau Bollwahn kündigt an, sie sei bereit, weitere Einladungen „entgegen“ zu nehmen. Von demselben Mann? Von einem anderen oder gar wechselnden Kavalieren? Wer weiß? Ziehen wir uns also wetterfest an und harren der gnadenlos auf uns zu rollenden Entwicklung. Vielleicht erfahren wir ja eines Tages auch, wie freudvoll die Elternzeit für Frau Bollwahn ist. Schon jetzt betrachte ich mit Sorge die zunehmende Aggressivität junger Mütter, die ihren Kinderwagen fast wie eine Waffe handhaben. Werden sie dieses Kampfinstrument und zugleich Statussymbol jemals wieder loslassen können? Oder sind sie verdammt, wie die Rentner mit ihren Rollatoren als Fliegende Holländerinnen der Jetztzeit sich den Weg aus der Diskriminierung immer wieder aufs Neue freizukämpfen?
Vielleicht sollte man über einige Gläser Weißwein mehr doch gnädig hinwegsehen.