Ich stecke voller Vorurteile, bin immer davon ausgegangen, dass für die so genannte Klassische Musik kein Platz sei in der taz Alle Spielarten der Pop-Musik, einschließlich ihrer Protagonisten, werden rauf den (im Regelfall) 28 Seiten rauf und runter dekliniert, jede noch so mediokre Band wortreich gewürdigt. Ja, man hat den Eindruck, als sei das Wort „Musik“ ein Synonym für Pop-Musik.

Und dann dies: Frau B. outet sich als Blockflötenspielerin, ja sogar als Altblockflötstin, eine Instrumetenfamilie, die selbst in Kreisen von E-Musikern nicht so ganz e[rnst] genommen wird. Und das ohne Not, niemand zwang sie dazu. Einzig der Wunsch mit anderen Böckflötisten gemeinsam zu musizieren, bewog sie zu einem Probespiel. Und was spielt sie? Telemanns Fantasien. Respekt!

Früher, in meiner Jugend lagen die Verhältnisse einfacher. Wer da nicht ein auch nur schwaches Interesse an E-Musik zeigt, galt als „unmusikalisch“. Das lastete zwar als schwerer sozialer Makel auf ihm (der sich meist er später zeigte, wenn der Einstieg in die „Gesellschaft“ gesucht wurde), befreite ihn aber immerhin von der faktischen Teilnahme am Musikunterricht. Dies wiederum schuf ihm den zeitlichen Spielraum, die Hausaufgaben für die nachfolgenden Fächer zu machen, ohne die wertvolle nachmittägliche Freizeit dafür opfern zu müssen. Was beneidete ich diese Unmusikalischen! Während die ihr Zeitbudget clever verwalteten, mussten wir Musikalischen „Innsbruck, ich muss dich lassen“ durch alle Stimmen üben (vorgreifend auf die Zeit nach dem Stimmbruch). Nichts gegen das Lied von Heinrich Isaac – aber Zeit war auch damals viel wert, vor allem wenn man versuchte, nicht nur „e“, sondern auch ein wenig „u“ zu sein.

Ist nun mit Frau B.`s mutigem Schritt der Bann gebrochen, werden nun noch weitere Mitarbeiter des anti-bürgerlichen Projekts „taz“ ihre vom alternativen Mainstream abweichenden Neigungen offenbaren? Und gar wiederaufnehmen? Wird der Ostasien-Experte seinen Kontrabass vom Dach holen und entstauben? Wird der Sportredakteur –nein nicht zur Pfeife greifen, sondern zur Querflöte? Und die Chefredakteurin zum Dirigentenstab?

Und ich werde meine Klarinette ölen, damit sie am M-Day, am Tag des gemeinsamen Musizierens von Zeitungsmachern und –lesern, ohne Verzug einsatzfähig ist. Und auch meine Lippenmuskulatur werde ich durch gezielte Maßnahmen wieder auf Vordermann bringen. Macher und Leser der taz in einem Orchester vereint – welch ein Traum! Sollen doch die unverbesserlichen musikalischen Ignoranten zu den „Piraten“ abwandern!