Frau B. entwickelt sich immer mehr zur guten Fee der taz. Zu ihr kommen die Kinder der Nachbarschaft, die guten, um sich zeigen zu lassen, wie man Haferflockenkekse bäckt. So wie einst die Mutter von Frau B. für Frau B., als die noch nicht Frau B war, gebacken hatte. Und natürlich hat Frau B. immer Zeit, um mit Kindern, die es zu ihr und ihren Keksen gezogen hatte, Haferflockenkekse zu backen. Keine dead lines, keine Abgabetermine, kein Termindruck. Sie steht still, die schöne, heile Welt.
Auch Jungens kommen vorbei, verschwitzt, so wie sie nach dem Fußballspiel halt sind. Beseelt von dem einen Wunsch: Haferflockenkekse backen. Dabei zeigen sie sich ebenso anstellig wie die Mädchen. Doch der Umgangston ist irgendwie anders. Immer geht es um Ficken, auch wenn sich der Zusammenhang dem uneingeweihten Betrachter nicht immer erschließt. Einfach so, offenbar auch ohne zu erstehen, was das eigentlich ist. Frau B. gefällt das nicht. Doch sie ist eine moderne, pädagogisch und psychologisch geschulte Frau. Und so lässt sie die Altblockflöte im Futteral und schlägt vor, eine Liste mit Wörtern zu erstellen, die während des Backens nicht verwendet werden sollen. Nein: die sie (Frau B.) nicht hören will. Die lieben Kleinen schießen wieder mal übers Ziel hinaus und wollen gleich noch eine Liste mit Wörter machen, die benutzt werden dürfen. Frau B. , die Erfahrene, wissend was da auf sie zukommt, steuert gegen und fragt, ob sie denn überhaupt wissen, was das sei, ficken. Natürlich Fehlanzeige.
Sie sagt es ihnen nicht. Und nun? Wie es das weitergehen? Die Kinder unwissend lassen, damit das lustige Keksebacken seinen Fortgang nehmen kann? Doch woher kommen dann die Kinder, ohne die das Keksebacken über die Generationen hinweg doch keinen Sinn macht? Wahrscheinlich hat es Mutter B. auch so gemacht, irgendwann bringt der Klapperstorch sie halt vorbei. Und kassiert dafür ein paar Haferflockenkekse.
Doch irgendwann werden die Kids Frau B. auf die Schliche kommen: Kekse allein tun`s nicht. Ohne ficken geht es nicht!
Nachtrag:
Vorsicht vor Keksessern! Aus bedauerlichem Anlass muss der Beitrag über die keksbackende Frau B. um einen aktuellen Hinweis erweitert werden: In einer Dokumentation über das Zwickauer Trio infernale, die NSU (Nationalsozialistischer Unter- grund), wird bekannt, dass einer der Terroristen, Uwe Mundlos, sich über nichts so sehr gefreut habe wie über selbstgebackene Plätzchen (Kekse).
Aus diesem Grund ergeht eine Eilwarnung an Frau B.: Bitte nicht mehr mit Keksen oder Plätzchen nationalsozialistisches Gedankengut evozieren!