Na endlich! „Jetzt wird Ihr Fernsehen genauso flexibel wie Ihr Leben!“, verkündet jauchzend die Telekom in einem Flyer, der mir irgendwie zugeflogen ist. Was meinen die mit „flexibel“, frage ich mich da erst einmal. Einen Absatz weiter wird das erklärt „[…] sich vom Fernsehen endlich [sic!] genauso faszinieren zu lassen, wie von der Realität.“ Man brauche nur 20 Euro (im Monat) rüberzuschieben, dann habe man das Fernsehen der Zukunft in seiner guten Stube.

Dass wir zur Zeit nicht einmal das Fernsehen der Gegenwart haben, ist mir schon lange klar. Geschweige denn ein Fernsehen, das irgendetwas mit der Realität zu tun hat. Und nun kommt das HD-Fernsehen in die Stube und zeigt uns die Realität! Das Wundersame daran ist, das sich der sogenannte Content überhaupt nicht ändert, ja sogar die Sender und ihre Programme dieselben bleiben. Nur die Bilder ändern sich offenbar, in der Sprache der Werbenden: „Bilder, die so echt sind, dass man sie anfassen möchte.“

Möchte ich Gaddafis Leichnam anfassen, nur weil er in HD im Supermarkt liegt? Mit bloßen Händen nach Verschütteten des Erdbebens in Anatolien graben? Oder den schweißgetränkten Top-Scorer der Bundesliga umarmen? Etwas anfassen zu wollen, nur weil es echt aussieht, zeugt vom Verharren in der infantilen Phase. Scheiße bleibt Scheiße, auch wenn sie noch so echt aussieht. Mir scheint, die Werbebrigade der Telekom hat ein Wahrnehmungsproblem: Sie verwechselt „echt“ mit „real“.

Dann die Flexibilität: Kann ein Leben flexibel sein? Oder musste dieses Wort nur untergebracht werden, weil es so positiv geladen, – um nicht zu sagen: aufgeblasen erscheint? Und wenn das Fernsehen genauso flexibel wäre wie mein Leben, dann fragt man sich doch, ob nicht eines von beiden überflüssig ist.