Europa muss sparen, will es auch. Aber wo anfangen? Waschmaschine und Kühlschrank sind bereits klassifiziert, und niemandem würde es einfallen, ein Gerät mit weniger als drei „A“s zu kaufen. Ist auch gut so, der Kühlschrank läuft ja immer, und die Waschmaschine, na ja, jedenfalls ziemlich häufig, je nach Frustrationsgrad ihrer Benutzer. Aber was ist mit des Deutschen liebstem Kind, dem Fernseher? Der ist bei den Sparbemühungen einfach übersehen worden und steht nun in der Ecke, schämt sich. Der Energiesparkommissar der EU, ein Herr Oettinger, ein pfiffiger Schwabe, dachte sich, da kann ich mich noch profilieren und erfand flugs das „EU-Energielabel“ für TV-Geräte, vermutlich aber auch für andere Instrumente der Unterhaltungselektronik. Ganz klar wurde das nicht in dem Beitrag des Inforadio /rbb, und auch die Sprecherin von Herrn Oettinger blieb eher vage, was den Umfang anbetrifft.
Immerhin, der Verbraucher soll aufgeklärt werden, wie man solch einen Kasten ausschalten kann! Das muss man sich mal vorstellen: Da wird dem Zuschauer vorgegaukelt, der Standby-Modus sei der Normalzustand, nur damit die Nachbarn von der Energiewirtschaft kräftig abkassieren können. Wenn das keine Sauerei ist!
Künftig sollen die Geräte hinsichtlich Größe des Bildschirms etwa, äußerer Faktoren also, auf ihre Energieeffizienz klassifiziert werden. Oettingers Maßnahmen beschränken sich aber nur auf den Hardware-Bereich Was ist mit der Software? Ich hätte da einige Vorschläge...
Doch wir wissen natürlich, dass Effizienz ein Verhältnis ausdrückt, etwa das des Energieaufwands zur Qualität des Programms. Damit könnte man bereits eine ganze Menge des televisionären Angebots ins Abseits stellen. Wenn nämlich Qualität als Funktion des Energieaufwands gesehen wird, dürften viele Sendungen auf Comedy Central ziemlich dunkel werden (Ausnahme: American Dad). Nachtstücke oder Reprisen des film noir würden dominieren.
Qualität kollektiv zu definieren ist erfahrungsgemäß nicht ganz einfach. Deshalb schlage ich hier vor, dies individuell zu tun: Jeder Fernsehzuschauer erhält ein Remote-Gerät, mit Hilfe dessen er sein Gefallen beziehungsweise Missfallen übermitteln kann. Entsprechend hellt sich sein TV-Bild auf oder es wird dunkler. Das Gesamtergebnis wird als kollektive Quote den Sendern übermittelt, die sich ihre Gedanken darüber machen. Von der Strahlkraft des Bildschirms nämlich hängt die Entscheidung der werbenden Unternehmen ab, in welchen Sendungen sie einen Auftritt anstreben. Schließlich ist es für abstiegsbedrohte Bundesliga-Fußballvereine auch nicht ganz einfach, Sponsoren zu finden.
Im Fußball allerdings ist es einfacher, Qualität zu bestimmen (Tore, Aktien). Dennoch sollte dies bei anderen Sparten der Unterhaltung auch möglich sein. Wenn da nur nicht der Unsicherheitsfaktor des Mehrheitsgeschmacks wäre…