Seit gut zwei Wochen (ha ha, „gut“ ist gut!) bekomme ich keine Post mehr. (Ob ich davor welche erhalten habe, weiss ich gar nicht mehr genau, ist doch die Post zunehmend von einem Kommunikationstransferunternehmen zu einem Verteiler von Reklamematerial mutiert. Vielleicht habe ich ja in den letzten Jahren überhaupt keine echte Post mehr erhalten, es bloß nicht gemerkt?).
Also: Keine Post seit mehr als zwei Wochen. Denn die Postzusteller sind auf Streik. So wie anderswo Piloten, Pflegepersonal und andere mehr. Auch hier gilt: Man haut den Sack und meint den Esel, die Streikenden kennen ihren Gegner nicht. Zu Zeiten, als noch Fabrikanten und andere Unternehmer bestreikt wurden (19./ 20. Jahrhundert), genügte es, denen die Produktion von Gütern zu verweigern, durch deren Verkauf sie Gewinne hätte erzielen können. Angesichts sinkender Umsätze überlegen sich viele Entrepreneurs, ob sie nicht doch lieber Butter statt Margarine essen wollen, vielleicht nur etwas weniger.
Wenn aber Dienstleistungsbetriebe bestreikt werden, ist kein Unternehmer direkt betroffen, die Leitenden sind selber Angestellte. Die Leidtragenden aber sind die Kunden, die auf das „Produkt“ (s.B. Kindergartenbetreuung oder Bahntransport etc.) angewiesen sind. Wenn ein Auto nicht fertig gebaut wird, tut das dem Kunden nicht sonderlich weh, kauft er halt ein anderes. Aber der Wegfall der Kindergartenbetreuung ist für manche Eltern mangels Alternative schon schmerzhaft.
Und außerdem: Nicht einmal richtig streiken können die Postler! Die Leere meines Briefkastens wies Ausnahme auf: Von Zeit zu Zeit lag ein senffarbener Umschlag, wichtigtuerisch gefüllt mit einer Geldforderung durch ein Amtsgericht in meinem Briefkasten. Was soll das, Gewerkschaft?! Wenn gestreikt wird, dann bitte umfassend und flächendeckend, ich dulde da keine Ausnahmen! Wo kämen wir denn dahin, wenn auch noch die letzten Härten für die Arbeitgeber flachgeschliffen werden?