Der Wetterbericht, dessen bin ich mir sicher, wurde erfunden, um einen Hauch Optimismus in unseren Alltag zu bringen. Die Bauern brauchten ihn nicht, die hatten ja ihre Bauernregeln („Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich’s Wetter, oder es bleibt, wie es ist.“). Nein, der Städter, beraubt des spähenden Blicks in die Weite, braucht ihn. Da er nämlich nicht sehen kann, dass die graue Wolkendecke hinter dem Haus gegenüber aufreißt und die Sonne hindurch scheint, würde er ohne Wetterbericht in Depressionen verfallen. Das zu verhindern, die werktätige Bevölkerung also mit jenem Quäntchen Optimismus auszustatten, das erforderlich ist, sich der Perspektivlosigkeit des Arbeitslebens Tag für Tag aufs Neue auszusetzen, wurde der Wetterbericht erschaffen und immer bonbonhafter ausgestaltet, seit kurzem sogar mit einer 14-Tage-Prognose („Trend“) versehen.
Aber nicht alle in den Redaktionsstuben haben begriffen, worum es beim Wetterbericht geht. Einige Miesepetrige wollen uns das zarte Pflänzchen Hoffnung partout zunichte machen. Neulich ließ eine Inforadio-Moderatorin ihren „Service“ (Wetter und Stau!) tatsächlich mit den Worten ausklingen: „Glauben Sie nur nicht, dass es wärmer wird.“ Der Tag war gelaufen! Vielleicht hebt es ja die Stimmung, wenn im Wetterbericht zum Frühjahrsbeginn darauf hingewiesen würde, dass die Wahrscheinlichkeit, am Jahresende wieder einmal eine Weiße Weihnacht zu erleben, erheblich gestiegen sei?
PS: Glücklicherweise hat das Realwetter inzwischen zurückgeschlagen. Nix zu meckern.