Neues von Brasil 2014 (3)
Soeben ist das erste Spiel des Achtelfinales, das erste der so genannten k.o.-Runde zu Ende gegangen. Nach dem Unentschieden in der regulären Spielzeit und einer ergebnislosen Verlängerung musste die Entscheidung durch das Elfmeterschießen herbeigeführt werden, eine Art modernes Gottesurteil. Die Brasilianer hatten Gott oder das Glück auf ihrer Seite und konnten einmal mehr den Ball im „Kasten“ unterbringen als ihre Gegner aus Chile.
Wenn man schon ein solches als Geschicklichkeit getarntes Gottesurteil will, warum zählt man dann nicht die Pfosten- oder Lattentreffer anstelle der klassischen „Treffer“? Es dürfte doch viel schwieriger sein, den Ball an den Rahmen (einst aus Holz, jetzt aus Aluminium) zu lenken als ihn in dem doch recht komfortabel großen Torraum zu versenken. Da steht zwar als institutionalisiertes Hindernis ein Torwart zwischen den Pfosten, der anders als alle Feldspieler auch die Hände zu Hilfe nehmen darf. Doch der hüpft, wie die Erfahrung zeigt, meist in die falsche Ecke, so dass der Ball seinen Weg ins Netz recht leicht finden kann.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, für die Zeit des regulären Spielverlaufs (die während dieser Zeit geschossenen Strafstöße eingeschlossen) diese Praxis einzuführen, sondern nur für das spielentscheidende Elfmeterschießen. Diese Schüsse werden zudem nicht aus der Hektik des Spielverlaufs heraus abgegeben, vielmehr hat der Schütze hinreichend Zeit, Maß zu nehmen. Das hat er zwar bei den „normalen“ Strafstößen auch, aber Strafe muss auch irgendwie Strafe bleiben. Es ist also bei aller Gleichheit der Mittel eine grundlegend andere Situation.
Natürlich kann man den Gedanken weiter spinnen: Beim Wettbewerb „Tor der Woche (etc.)“ könnten (auch?) die schönsten Nichttore prämiiert werden. Nicht nur weil denen oft atemberaubend schöne und überaus hoffnungsträchtige Spielzüge vorausgingen, sondern weil die Dramatik des Absturzes viel mehr Potenzial an Emotionen birgt.
Auch könnte man das Video-Urteil vergessen, denn ein Latten- oder Pfostenschuss kommt – sich selbst identifizierend – von ganz allein ins Spielfeld zurück.