Ich staune immer wieder darüber, welche Einsichten uns die Schriftsteller vermitteln können. Schon allein deshalb muss Literatur als Unterrichtsfach an den Schulen erhalten bleiben, wenn nicht gar ausgebaut werden.
Der spanische, Entschuldigung: katalanische Schriftsteller Jaume Cabré hat mich mit einem Satz in einem Gespräch mit dem RBB-Inforadio zutiefst verunsichert, Er, der selber ein leidenschaftlicher Kammermusiker sein soll, sagte darin: „Genau genommen gibt es auch Kriminelle, die Musik machen.!“
Ich habe in meinem Leben viel und ambitioniert Musik gemacht. Doch nun schleiche ich misstrauisch um mein Klavier herum. Und überlege spontan, wie viele pump guns wohl in den Resonanzkörper passen könnten. Immerhin hatte ja in dem britischen Film „Ladykillers“ (mit Alec Guinness) ein Streichquartett mit manipulierten Handfeuerwaffen ausgereicht, eine ganze Bank auszuräumen.
Patrick Süskind macht von dem Potenzial eines Kontrabasses als Energieressource eher zurückhaltend Gebrauch. Cabré dagegen verspricht noch mehr als ein gut geheiztes Zimmer: einen Roman, der dem kompositorischen Aufbau von Alban Bergs Violinkonzert folgt „Dem Andenken eines Engels“ – der 18 jährig verstorbenen Manon, Tochter aus der Verbindung von Alma Mahler-Werfel und Martin Gropius lautet die Widmung des Komponisten, dessen Werk zur Brücke zwischen den repräsentativen Ansätzen der europäischen Musikkultur (Bach bis hin zur Zwölftonmusik) werden sollte. Es hat nicht wenig zur Versöhnung der musikalischen Systeme (klassische Kadenz vs. Dodekaphonie) beigetragen und so der Zwölftonmusik zu einer gewissen Akzeptanz verholfen.
Doch nun kommt ein spanischer Schriftsteller daher, der noch nicht einmal richtiges Spanisch spricht, sondern Katalanisch. Und der will mir nachsagen, dass ich ein Ganove bin, nur weil ich musiziere. Haben diese verdammten Kulturschmarotzer denn nichts anderes, was sie sich und ihrem Publikum um den Bart streichen können?