Jeder , der schon einmal einen Supermarkt aufgesucht hat, kennt dieses Wort: einpreisen. Doch die Rechtschreibprüfungs-Software meines Computers verweigert sich ihm und markiert es als „falsch geschrieben“.
Dennoch hat es dieses Wort geschafft, als Synonym für „ist [im Angebot] vorgesehen“ bzw. „ist in der Agenda enthalten“ oder kurz (in Berlin); „hamwa“ in die Sprache der upper middle class Eingang zu finden. Vor allem in die Medien hat es sich unausrottbar eingenistet (die reflexive Form „sich einpreisen“ gibt es wohl noch nicht, sonst hätte sie hier verwendet werden können.)
Heute Morgen vernahm ich ein besonders leckeres Beispiel für die Möchtegern-Metaphorik des Mediendeutschen. Die Rede ist von möglichen Steuersenkungen, einem Zankapfel innerhalb der regierenden Koalition: „Der Finanzminister hat so etwas nicht eingepreist.“
Die Benutzung fachsprachlicher Elemente außerhalb des entsprechenden Fachbereichs signalisiert den Wunsch, dessen Welt angehören zu wollen. In vielen alten Kulturen findet man den Topos von der Kenntnis des Namens eines anderen (ersatzweise dessen Skalp), die Macht über denselben verleiht, etwa in dem Märchen „Rumpelstilzchen“ oder dem ersten Gedicht der altjapanischen (Mitte 9. Jahrhundert) Anthologie „Manyôshû: Yamato no kuni („Das Land Yamato”). Doch warum gerade diejenigen, die vermutlich eher selten einen Supermarkt aufsuchen und so wohl wenig verstehen von dessen Betriebsabläufen, sich mit dieser Trophäe schmücken wollen, bleibt rätselhaft.
Übrigens: Das Gegenteil von „einpreisen“ ist „auslisten“. Wir Rentner, die wir uns täglich mit den Folgen der Willkürherrschaft der Supermarktbetreiber herumschlagen müssen, wir wissen das. Doch uns fragt ja keiner.