Unter dieser Überschrift berichtet die Süddeutsche Zeitung am 21. Juni 2012: „Wegen Übermüdung des Flugkapitäns musste per Autopilot gelandet werden: Dieser brisante Vorfall aus München löst derzeit eine Diskussion über Ruhezeiten von Piloten aus. Genau rechtzeitig, denn das Gesetz über Flugdienste wird gerade überarbeitet.“

Die Formulierung der Schlagzeile erfordert zunächst eine Klarstellung: Sie will nicht sagen, dass zwei Drittel der Piloten freiwillig einschlafen. Doch der Sachverhalt an sich ist ernst: Dass diejenigen, die geflogen werden, die Passagiere also, schlafen, wird vom Kabinenpersonal eher begrüßt. Fällt so doch zumindest eine Störquelle aus. Aber Piloten? Die sollen in der Zeit doch eigentlich arbeiten, sprich: fliegen. Doch ist nicht eigens für sie ein Gerät entwickelt worden, dass sie vom Zwang, wach zu bleiben, zumindest zeitweise entbindet? Deshalb trägt es auch den schönen Namen „Autopilot“. Nun erfahren wir, dass dieser Automat keineswegs das Flugzeug allein lenken darf. Nur auf Streckenabschnitten, wo unerbittlich geradeaus geflogen wird, kann er zur Entlastung eingeschaltet werden. So kommt es denn, dass auf Langstreckenflügen die Crew bis zu zwanzig Stunden (mit Zwischenlandungen natürlich) im Cockpit Hand anlegen muss. Unter solchen Umständen aber wird das Landen zum Vabanquespiel. Der Inforadio-Reporter drückt das so aus: „Nach zwanzig Stunden sicher zu landen, ist nicht empfehlenswert.“

Da schrecke auch ich hoch, der ich mich bislang bedenkenlos den Füh- rungskräften vorn im Cockpit anvertraut hatte „Was, bitte, ist dann empfehlenswert?“ Bedeutet das, dass die Piloten ihre Paxe lieber im Orbit aussetzen sollten? Und wie geht's dann weiter? Wie kriege ich dann meinen Anschlussflug?

Der laxe Umgang mancher Journalisten mit der Sprache treibt einem etliche kalte Schweißperlen über die Stirn. Nach bangen Stunden dann in den Abendnachrichten die Entwarnung: „… ist eine sichere Landung nicht möglich.“ Schlimm genug, denn die Transitfrage ist damit noch nicht beantwortet. Geht's dann weiter in die Hölle oder was?

Nun, nachdem weitere Vorfälle dieser Art bekannt geworden sind, hat Brüssel ein Machtwort gesprochen: Piloten sind auch (nur) Menschen, sie haben ein Recht auf angemessenen Schlaf.

Der Vorfall in München, von dem die SZ berichtete, geht so weiter:

„Es war ein ganz normaler Flug der Air Berlin von Palma de Mallorca nach München am 5. Mai – ganz normal bis kurz vor der Landung, als die Crew „Pan, Pan“ funkt. Diese Dringlichkeitsmeldung kommt gleich nach der Notmeldung „Mayday“ und bedeutet, das Flugzeug ist in Gefahr, wenngleich nicht akut absturzgefährdet.

Der Grund für den Notruf waren allerdings weder Unwetter noch technische Defekte. Die Piloten waren schlicht zu müde zum Landen und baten darum, das dem Autopiloten überlassen zu dürfen. Der voll funktionstüchtige Autopilot übernahm, die Maschine setzte sicher auf, der Vorfall wird untersucht. “ (von Katja Schnitzler)

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Am 30.September 2013 meldete die Presse einen Etappensieg der Pilotenvereinigung Cockpit im Streit über die Flugdienstzeiten – Kunststück, sind doch die Streitpartner Politiker, die als Vielflieger die Folgen der Übermüdung der Piloten am eigenen Leib zu spüren bekämen.

Lebten wir noch in Zeiten räterepublikanischen Denkens, müssten die Passagiere auch mal ans Steuer. Angst? Na, es gibt doch den Autopiloten.