Seit einer Woche leben wir im Jahr des Drachen. Jedenfalls der fernöstliche Teil der Welt, also China, Japan, Korea und die südostasiatischen Staaten. Richtig praktische Bedeutung hat der alte, auf einem Zwölferzyklus basierende Tierkreiszeichen-Kalender wohl nirgendwo mehr, ist halt eher Folklore. Und die war ja schon immer mit Aberglauben gekoppelt.

Drachen gelten bei uns als eher böse Haustiere, ich danke da nur an Frau Mahlzahn, der Erzfeindin aller kreativ begabten Kinder wie Jim Knopf, von der Wikipedia folgendes zu berichten weiß:

„Frau Mahlzahn ist ein magerer Volldrache mit einem einzelnen langen Zahn im Maul. Von der Wilden 13 kauft sie Kinder, welche sie in ihrer Schule in der Alten Straße 133 gefangen hält und mit Unterricht unter Einsatz von Schlägen quält. Frau Mahlzahn wird von Jim und Lukas mit Unterstützung von Emma gefangen genommen und nach Ping gebracht, wo sie sich in einen goldenen Drachen der Weisheit verwandelt.“

Na, und da ist dann noch die Geschichte mit unserem germanischen Superhelden Siegfried. Interessante Parallele zu Frau Mahlzahn: Fafnar war auch erst böse, doch aus seinem Blut erwuchs das Gute, wenn auch erst dank der Nachhilfe geschwätziger Vögel. Wer weiß, wie die Geschichte weiter gegangen wäre, hätte sich nicht die Botanik mittels Laubabwurf eingemischt.

Irgendwie sitzt das Drachen-Image vom Bösen in Europa sehr tief. Nicht so in Asien. Ich habe mich mal umgetan und einige Attribute zusammengetragen: Männlichkeit, Macht, Reichtum, Erfolg, Selbstbewusstsein, hitziges Temperament (was Wunder bei dem Flammenwerfer!). Und: Drachen bringen der ganzen Familie Glück! Ganz im Gegenteil zu dem berüchtigten Feuerpferd: Vor allem Mädchen, die in einem solchen Jahr geboren werden, übganzerziehen die ganze Familie mit Unglück (fressen die Männer und zünden das Haus an, ganz wegschminken kann man die Luder halt auch in Ostasien nicht!).

Wer lange genug sucht, wird sicher noch mehr finden. Ich dagegen, – denn ich bin ein Drache! –, schaue mit scheelem Blick nach Asien. Dort wäre sicher was aus mir geworden. Aber, Moment mal! Da ist ja noch was, eine alemannische Website über das „Johr vum Dracha“! Und da findet sich ein kleines, aber feines Verzeichnis „Bekannti Drache“. Das beginnt mit Immanuel Kant, führt über Charles Darwin, Sigmund Freud, Martin Luther King, John Lennon bis hin zu Tracy Chapman (die einzige Frau in dieser roll of fame!). Nur einen kenne ich nicht: Liam Neeson, „britischa Schauschpiila“. Muss auch nicht sein, die Liste ist ermutigend genug, vielleicht schließe ich mit Europa doch noch meinen Frieden.

Vor einigen Tagen habe ich etwas Textiles aus Fernost via Internet bestellt. Es war in der Farbe „weinrot“ ausgezeichnet. Doch nach meiner Bestellung erhielt ich die Nachricht, die Farbe sei in „Drachenblut“ geändert worden. Ich nahm es trotzdem.