Eine Untergrundzelle aus Thüringen hat über Jahre hinweg Mitbürger nah-. bis mittelöstlicher Herkunft ermordet. Grund war allein das Fremdsein der Opfer. Sie waren überwiegend kleine Gewerbetreibende wie etwa Döner-Verkäufer. Es ist eine traurige Geschichte nicht nur wegen der Opfer und ihrer Familien, sondern auch wegen der schleppenden, rechtsradikale Hintergründe lange Zeit ausschließenden Ermittlungen. Nun stehen die noch lebenden, vermutlichen Täter vor Gericht, der Prozess kann lange dauern.
Die Kinder der Opfer sind Deutsche, studieren hier, arbeiten hier. Ihnen wird viel an Einsicht abverlangt: Deutsche wie sie haben ihre Eltern aus rassistischen Motiven umgebracht.
Aber ich erzähle die Geschichte aus einem anderen Grund. Gegen Mittag gehe ich in die Küche, um mir etwas zum Essen zu machen. In der Küche höre ich stets Radio. Der Deutschlandsender berichtet in einem längeren Beitrag über Vorgänge, Hintergründe sowie den laufenden Prozess gegen die mutmaßlichen Täter der „Döner-Morde“. Der Bericht ist lang, eingehend und differenziert, wie man ihn von diesem Sender gewohnt ist, eben Qualitätsradio.
Er ist gegliedert in verschiedene thematisch Aspekte. Zwischen den Sektionen ertönt Musik, Stilrichtung Swing, gespielt von einer Big Band. Die Musik bildet in ihrer knalligen Direktheit einen fast fröhlichen Kontrapunkt zu dem grausigen Geschehen, von dem berichtet wird.
Der Hörer kann aufatmen.