Ein Wahrheit-Mitarbeiter der taz hat zwei Medien, Print und Internet (Blogs!) auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft und zwar in der „natürlichsten Umgebung“, der Nachrichtenlektüre am Frühstückstisch, Eindrucksvoll und für jeden nachvollziehbar beschreibt er den ewigen Kampf zwischen der Bedienung der Medien (Umblättern, Scrollen etc.) und der Nahrungsaufnahme per Hand und weist so nach, dass eben diese natürlichste Umgebung zugleich auch der größte natürliche Feind des Nachrichtenkonsums ist. Man kann daraus nur den Schluss ziehen, dass die biologische Evolution des Menschen mit der intellektuellen nicht Schritt gehalten hat. Denn dann hätte der lesende Mensch bereits locker vier Hände. Oder würde sich von Tabletten ernähren. Man kann halt nicht alles gleichzeitig zu sich nehmen: Dreiminutenei und Demonstrationen in Teheran. Oder doch?

Warum eigentlich die Konkurrenz auf diese beiden Medien beschränken? Es gibt ja doch noch immer das gute alte Radio, und manchmal sogar ohne Musik! (Das TV wollen wir hier einmal außen vor lassen, wie soll man denn einen Fernseher – zumal die ja wieder immer größer werden – auf den Früh- stückstisch bekommen? Außerdem isst man zum Fernsehen bekanntlich Chips.) Man kann nämlich beim Radiohören ein Organ einschalten, das aus unerfindlichen Gründen aus der Nahrungsaufnahme ausgeschlossen ist, – oder ist es schon einmal gelungen, ein Nutella-Brötchen durch’s Ohr einzuschieben? Man isst mit den Augen, riecht das Essen durch die Nase, schmeckt es, kann es sogar fühlen, - doch hören?

Wenn nur der Radio-Journalismus, von wenigen Ausnahmen abgese- hen, nicht so grottenschlecht wäre! Das wird auch dadurch nicht kompen- siert, dass er seine Hörer hin und wieder mit den schönsten Sträußen leuchtender Stilblüten beglückt.

Der erwähnte taz-Artikel hat noch eine andere Schwäche: Er setzt zwar an, nationale Frühstücksgewohnheiten mit den Möglichkeiten des informatio- nellen Konsums zu korrelieren, führt das aber dann nicht weiter. So werden den Engländern aufgrund ihrer recht eigenwilligen Frühstückskultur Demo- kratie- Defizite unterstellt. Doch müssten dann die Franzosen nicht zu den Menschen in Europa zählen, die am besten Bescheid wissen? Und daher Super-Demokraten sind? Bei Croissant und Kaffee, – zumal man deren geschmacklichen Zusammenklang ja bereits auswendig kennt – , ist es doch leicht, noch eine Zeitung zu verarbeiten. Wenn die Franzosen nicht nur selber immer so viel redeten, wie man aus den Filmen von Truffaut weiß! Französisches Frühstück in Nordfriesland, das wär’s!