Alle Materie setzt sich aus kleinsten Elementen zusammen, auch die Sprache. Diese kleinsten Materieteilchen können, lässt man sie sich in bestimmter Weise aufeinander zubewegen, verheerende Energie erzeugen, auch in der Sprache.

Diese kleinen Wörter – seien es Partikeln, Präpositionen, Interjektionen oder Adverbien – sind eigentlich die sprachliche Repräsentanz des Subtextes, ohne die die doch eigentlich sinntragenden Wörter nichts weiter als eine Materialsammlung wären. Erst diese kleinen Wörter geben an, wo es lang geht. Doch man muss sie sehr überlegt und wohldosiert einsetzen, andernfalls treiben sie mit den Bausteinen, den sinntragenden Wörtern also, ihren Schabernack.

Hugo Chávez, der venezolanische Präsident ist gestorben, Das Inforadio meldet seinen Tod mit eher vorsichtigen Worten:

„Er war nicht nur ein exzentrischer Politiker, sondern auch der Anführer der sozialistischen Bewegung seines Landes. Zeitlebens hat er polarisiert, gestern nun ist er gestorben.“ (nach dem Gedächtnis zitiert)

Und schon sitzen wir auf einer Tretmine! Es ist das Wörtchen „nun“. Das über den Sinn der Aussage entscheidet. „Nun“ resümiert: after all etwa. Es kann aber über diese eher sachliche Information hinaus eine gewisse Nickligkeit entfalten; „das kommt davon“ oder „selber Schuld“.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass beim Tod des Präsidenten eines befreundeten Landes dieses „nun“ dem Sprecher auch nur unbewusst herausgerutscht wäre. Aber Chávez hat nun einmal polarisiert. Und nun ist er tot. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.