Die deutsche Sprache ist um ein Wort reicher: Nadeshiko. Es stehe für die japanische Fußball-Nationalmannschaft der Frauen, heißt es. Manche wissen sogar, was Nadeshiko bedeutet: Prachtnelke. Doch bisher habe ich noch niemanden getroffen, der mir sagen konnte, was eine Prachtnelke ist. Ein anderer Name für Bartnelke kann es bei Japanerinnen ja wohl kaum sein.
Auch Wikipedia kennt das Wort bereits, kommt aber bei dessen semantischer Analyse beträchtlich ins Schwimmen. Es sei die Bezeichnung für das klassische japanische Frauenideal. Doch: was ist „klassisch“ in Japan? Wenn Japanerinnen „zwar nicht obligatorisch, aber nicht nur zu festlichen Anlässen“ im Kimono herumlaufen? Beim Fußballspielen vielleicht? Oder nur bei der Übereichung des World Cup?
Mal hergehört: Die Bezeichnung Nadashiko, genauer: Yamato Nadeshiko (Yamato ist die Zentralprovinz, aus der der herrschende Kaiserclan stammt) ist schon ziemlich alt, findet sich erstmals in der ältesten überlieferten Gedicht-Anthologie „Man’yôshû“ (um 850). In diese frühgeschichtliche Zeit hinein reichen noch Spuren des Japan einst beherrschenden Matriarchats (Schamaninnen, Tempeltänzerinnen, Kaiserinnen u.a.). Mit der Geisha hat sie rein gar nichts zu tun, nicht nur Jahrhunderte trennen sie, sondern auch soziale Klassenschranken.
Der Topos war also bereits früh geprägt, doch die Merkmale verschoben sich im Lauf der Geschichte. So hat eigentlich jede Epoche, jede Schicht ihr eigenes Bild der idealen Japanerin gezeichnet. Nadeshiko ist zur Metapher geworden.
Für unseren Zusammenhang, den Gewinn der Frauenfußball-Weltmeisterschaft mag daher eine Neuübersetzung gewagt werden. Ich würde sie nicht botanisch korrekt mit „Prachtnelke“ wiedergeben, sondern ein metaphorisch angemessenes Bild wählen: „Wuchtbrumme“.
PS: Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die chinesischen Zeichen, mit denen sich Nadeshiko schreibt: Es sind zwei Zeichen, das zweite – ko gelesen – findet sich auch heute noch in zahlreichen weiblichen Vornamen. Für nadeshi– dagegen steht ein Zeichen, das aus zwei Graphemen zusammengesetzt ist:“Hand“ und „nichts“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!