Ich stelle mir das Gebäude, in dem die taz gemacht wird, als großes, altes Haus vor. Knarrende Treppen führen durch Schleier von Spinnweben hindurch ins Nichts. Ein Haus, in dem die Wirklichkeit des Heute bereits am nächsten Tag überholt ist. Das gilt für so ziemlich alle Tageszeitungen, für die taz jedoch in besonderem Maß. Dort wo die Wirklichkeit des Tages eingespannt zwischen „Wahrheit“ und „Wortspielhölle“.
Die Wahrheit nistet sicherlich unter dem Dach dieses Gebäudes, dort wo es zugig und wenig wohnlich ist, zusammen mit Tauben und Fledermäusen. So ist das halt mit der Wahrheit. Mehr noch als de Wahrheit aber reizt mein Vorstellungsvermögen die Wortspielhölle. Immer wieder wird in der taz auf ihre Existenz hingewiesen, doch vermeidet man Konkretisierungen. Immerhin ist bekannt, dass beide Sphären durch den „Pimmel über Berlin“ miteinander verbunden sind. Dabei hätte ich mir die dort angelegte Sammlung zu gern einmal angesehen. Sammlung? Nein, es muss mehr sein, vielleicht eine Mischung aus Archiv, wo all die handverlesenen Schmuckstücke, die Edel-Kalauer abgelegt sind. Beispielsweise: „Deutsche Klavierindustrie ist gut gestimmt“.
Dann aber muss es dort noch etwas anderes geben, einen Ort, wohin all die Wortspiel-Verbrecher verbracht werden. Eine Art Gefängnis also. Wobei mir selber unklar ist, wer ein solcher Verbrecher ist. Denn es gibt meines Wissens noch keine Gesetze zu diesem Tatbestand, auch von einer Rechtssprechung, die so etwas wie ein Gewohnheitsrecht geschaffen hätte, weiß ich nichts.
Die taz geht offensichtlich davon aus, dass jeder misslungene oder all zu durchsichtige Wortwitz für den Urheber mit Aufenthalt unbestimmter Dauer in der Wortwitzhölle geahndet wird. Da sie in dieser Angelegenheit so etwas wie ein Urheberrecht besitzt, ist es wohl nahe liegend, ihrem Verdikt zu folgen, auch wenn die Grenzen des Geschmacks manchmal sehr vage gezogen sind.
Immerhin erlaubt sie im Zusammenhang mit der Klavierindustrie einen kleinen Einblick in ihre Sammlung und Standards: „Vermutlich hauen die gerade so richtig in die Tasten, weil der Markt wieder andere Saiten aufzieht. Wollen wir hoffen, dass den Redakteuren von dpa jetzt keine Flügel wachsen, denn die sind in der Wortspielhölle gar nicht gern gesehen.“
Hoffen wir auch, dass Red Bull zu seinem Kerngeschäft zurückkehrt, und sich der Versorgung der Bevölkerung mit Energie widmet. Im Augenblick verleiht das Unternehmen ja auch Flügel. Wenn das mal gut geht!