Der Wert der Dinge des Lebens wird zunehmend in Kategorien des Sports gemessen. Beim Eurovision Song Contest geht es nicht einfach um das beste Lied und dessen Würdigug, nein, es geht um den Sieg über die anderen und um nichts anderes. Wie auch beim Fußball (und natürlich bei anderen Sportarten): Nur der Sieg zählt. Da wird schon einmal der Coach / der Choreograph unter laufendem Rad ausgewechselt, um die Kompetenz eines neuen im Siegen gewinnbringend nutzen zu können. Oder ein aufwendiges Personenkarussell wird innerhalb einer Partei in Gang gesetzt, um den Wähler davon zu überzeugen, dass es Siegertypen sind, die das Geschick der Partei bestimmen: Alle verbessern ihre Position. Das allerdings klingt dann manchmal doch schon nach Pfeifen im Walde.
Kein einziges Mal wird selbstkritisch gefragt, ob denn die politischen Inhalte in Ordnung seien, die man dem Wahlvolk andienen will. Daran überhaupt auch nur zu denken, würde bedeuten, Zweifel in die Wahrnehmung des Wählers zu versenken. Nein, es sei wohl nicht hinreichend kommuniziert worden, was man wollte, oder warum man dies wollte (etwa das Gaststättengewebe vom halben Umsatzsteuersatz befreien). Die Performance war vielleicht schlecht, nie aber das Personal und deren Wollen.
Nach der Niederlage des Fußballvereins Eintracht Frankfurt [für Nachwendemenschen: am Main] im letzen Spiel der Bundesligasaison 2010/11 stand deren Abstieg in die Zweite Liga fest. Der verdutzte Trainer gestand „ehrlicherweise“ (O-Ton!) ein, dass er in seinen Planungen und Überlegungen zur kommenden Saison immer vom Verbleiben der Eintracht in der Ersten Bundesliga ausgegangen sei. Das klingt erst einmal sympathisch, doch aus dem Mund von Christoph „Koks“ Daum wirkte das naiv, wenn nicht gar dumm.
Die Realität auszublenden, wird von manchem als Ausdruck unbedingten Durchsetzungswillen gesehen. Es kann aber auch schlicht nur Ignoranz sein.