Das kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs von Franz Arnold und Ernst Bach geschaffene Schauspiel gilt – zusammen mit Spektakeln wie „Der Raub der Sabinerinnen“ – als Klassiker des Boulevard-Theaters. Die Autoren verzichten auf Kategorisierungen wie „Schauspiel“ oder „Komödie“, sondern nennen ihre Schöpfung einfach „Schwank“. Und lassen die Sau raus: Keine Verwechselung wird ausgelassen, jede Doppeldeutigkeit ausgekostet. Ein später Nachfahre der Commedia dell’arte.

Boulevardtheater wird hochtourig gespielt, die Pointen müssen sich jagen, dem Zuschauer darf kein Anlass gegeben werden, über das, was er sieht, und vor allen: warum er es sieht, nachzudenken. Denn dann könnte sich ihm das Spiel als das entlarven, was es ist: brillanter Klamauk. So will es die Konvention und so wird es in der Regel gemacht. Trotz allem aber bleibt es Diskurstheater, das vom Wort lebt. Nun aber kommt einer, Herbert Fritsch, der macht etwas umwerfend Neues mit dem Stück: Die Handlungsstränge bilden nur noch ein formales Gerüst, sind nebensächlich. So wie in der Barockoper (und auch noch später) die Handlung durch die recitativi zielstrebig transportiert werden, um dann in den Arien den Sängern Gelegenheit zu geben, ihre emotionale Befindlichkeit in alle Winkel hinein auszuleuchten. Fritsch Inszenierung ist eine Art Bewegungschoreographie, die nicht das Wort nachspielt, sondern ein Eigenleben entfaltet. Dieses Ballett ist voller Triller, die den eigentlichen Reiz des Spektakels ausmachen, ohne auf die Handlungsstringenz Rücksicht zu nehmen. So tritt die Handlung dann auch häufig minutenlang auf der Stelle, gibt dem Zuschauer aber Gelegenheit, die brillanten Koloraturen des Spiels zu goutieren. Es ist klar, dass man dies nur mit Stücken machen kann, die bereits selbst die diskursive Ebene verlassen haben.