Welche weit über das Sportliche hinaus reichende Macht der Fußball hat, zeigte sich erstmals 1954, als Deutschland in dem legendären Match gegen Ungarn (das seinerzeit eine ähnlich dominante Stellung einnahm wie heute, nein: bis vor kurzem Brasilien). Westdeutschland, das in den Nachkriegsjahren alles vermied, um international auffällig zu werden, teils aus Scham über das, was es im 3.Reich verbrochen hatte, teils aus Scham darüber, dass es sich dessen schämen sollte, dieses Deutschland war nun wieder jemand. „Wer sind wieder wer“, hieß es dank des Siegtors von Helmut Rahn bald landaus, landab. Dieses neue Selbstbewusstsein wurde zur Grundlage des deutschen Wirtschaftswunders. (Dass dieses aber dem Verzicht der WK.II-Siegermächte auf weitere Reparationszahlungen zu danken war, wird gern übersehen.) Nun, Regierungschefs durften Intellektuelle und Künstler endlich wieder „Pinscher“ nennen und von „Kunst aus dem Rinnstein“ sprechen.
Sechzig Jahre später fegte die deutsche Nationalelf Brasilien mit 7:1 vom Platz. Und wieder erwies sich dieser Kantersieg als Schubkraft für ein wachsendes politischen Selbstbewusstseins. Nur wenige Tage später wurde der US-Gehiemdienstkoordinator in der amerikanischen Botschaft zu Berlin in Konsequenz der Abhöraktivitäten seiner Regierung gegen führende deutsche Politiker des Landes verwiesen. Mal ehrlich: Wäre das ohne den Sieg über Brasilien denkbar gewesen?
Man wagt unter diesen Vorzeichen gar nicht, sich auszumalen, was nach einer nun denkbar gewordenen Weltmeisterschaft für das DFB-Team kommen könnte. Vielleicht Snowden Ehrenbürger der Bundesrepublik?