Bundespräsidenten kommen und gehen derzeit in rascher Folge. Die ankommenden nimmt man deutlich wahr, stehen sie doch im Licht. Und die gegangenen? Die sieht man nicht. Oder doch nur selten. Sie heißen Alt-Bundespräsidenten, und manche von ihnen nehmen das verdammt wörtlich. Übrigens nicht Ex-, diese Vorsilbe bleibt Kanzlern und Ministern vorbehalten.
Das wussten wir eigentlich schon. Dass sie aber auch noch einen kleinen Hofstaat unterhalten dürfen (mit Büro, Dienstwagen und entsprechendem Personal) – das haben die meisten von uns erst jetzt erfahren. Kosten pro Jahr: 280.000 Euro. Pro Altem! Davon hat sich inzwischen eine ganze Reihe angesammelt, genau gesagt: fünf sind noch präsent: Scheel, von Weizsäcker, Herzog, Köhler und eben Wulff. Die anderen haben den Posten bereits auch biologisch geräumt.
Es stellt sich beim betrachten dekorativer Posten und ihrer Inhaber die Frage, ob es nicht einen Königsweg gibt, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Etwa indem man das Bundswehr-Orchester (die mit dem Zapfenstreich) so schräg und falsch spielen lässt, dass der Feind in Anbehör dieser Kakophonie die Flucht ergreift. Scheel kann ja meinetwegen dazu auch noch singen. Oder Dienstwagen und Büro samt Chauffeur und Sekretärin zu einem rollenden Büro mit Chauffeurin, die auch Sekretariatsaufgaben übernimmt. Schließlich eine Gulaschkanone, die das vom Chef und dessen Mischpoke Nichtverzehrte an Notleidende verteilt („Zu Tisch mit Christian Wulff – wenn auch nacheinander“). Na, bei konzentriertem Nachdenken fällt einem sicherlich noch Einiges ein.
Das wäre eine Mindestforderung im Sinne einer Ressourcen schonenden Haushaltspolitik. Dennoch, es bleibt ein zwiespältiger Luxus, wenn ein Staat seinen Edel-Rentnern unter dem Vorwand, sie repräsentierten Deutschland („be Germany“) das Geld nur so reinschaufelt. Auch ein Hartz IV Empfänger (verdammt noch mal, wie schreibt man das denn? Mit oder ohne eine ganze Batterie von Bindestrichen?! Wenn man sich schon eine so unklare Zeichensetzung leistet, dann sollte man wenigstens eine Lexik wählen, die solche orthographische Pirouetten überflüssig macht!) steht irgendwie für Deutschland.
Und es sind ja nicht nur diese fünf, ganze Kometenschwärme von Ehemaligen schwirren ja durch die Lande und vor allem Lüfte: Gerhard Schröder allen voran, dicht gefolgt von Gorbatschow, Jelzin – ach nee, der hat sich ja auf Staatskosten zu Tode gesoffen, dann natürlich Bill Clinton, Joschka Fischer und wie sie alle heißen – die Karawane zieht unaufhaltsam vorbei und streut dabei die ihre Weisheit wie Kamelle unter die Völker. Die das natürlich vorher alles hübsch bezahlt haben: Karneval der Politik.
Je schneller sich die Jobmaschine „Ehemalige Amtsinhaber“ dreht, um so mehr ausrangiere Politiker werden an die Futtertröge gespült. Ich schlage eine Änderung der einschlägigen Gesetze (Grundgesetz?) vor, wonach nur einer aus der Riege der ausgelaufenen oder ausgeworfenen beziehungsweise fahnenflüchtigen Bundespräsidenten Alt-Bundespräsident werden kann, der jeweils älteste natürlich. Die anderen werden in den Wartestand versetzt und haben sich während dieser Phase von der Rente zu unterhalten, die sie angespart haben. Da sollte man zu großzügigen Auslegungen bereit sein.
Eigentlich könnte man es auch umgekehrt sehen: Der jeweils jüngste, weil kregelste Alte soll rumtouren und Deutschland vertreten, während die anderen endlich den Mund halten.