Es gibt Einrichtungen, von denen man zwar irgendwie weiß, dass sie existieren, ohne aber sagen zu können, was sie eigentlich alles so tun. Sie zeichnen sich gemeinhin durch einen Mangel an medialer Präsenz aus. Und dann, urplötzlich, trifft man überall auf sie. Es sind gewissermaßen die Schläfer unter den Institutionen.
Zu diesen zählt auch die Deutsche Flugsicherung, kurz: DFS. Sie beschäftigt sich, wie der Name verrät, vorrangig damit, Flugzeuge sicher durch den Luftraum über Deutschland zu leiten. Dazu beschäftigt sie Fluglotsen. Die haben einen Knochenjob, stets in Habachtstellung, um noch schnell zwei auf Kollisionskurs aufeinander zufliegende Maschinen herumzureißen. Bis zum Zerreißen gespannt und in ihrer Aufmerksamkeit von den Radarschirmen absorbiert, haben sie kaum Zeit zu merken, dass sie unterbezahlt werden. Wenn ihnen das aber doch einmal auffällt, dann streiken sie. Und dann hören wir von ihnen. Bisher jedenfalls war es so.
Wenn sie allerdings nicht genug aufpassen, kann es auch schon mal zu brenzligen Situationen am Himmel oder gar zu Unfällen kommen. Dann hören wir auch von ihnen. Aber das passiert glücklicherweise äußerst selten, zuletzt bei einem Crash über dem Bodensee, da waren wohl Schweizer Lotsen zuständig. Damals wurde viel über Flugsicherung und Sparmaßnahmen in diesem Bereich geredet. Es ist also gut, wenn man nichts von der DFS und ihren Lotsen hört.
Derzeit aber hört man viel von ihnen, ohne dass sie streiken oder dass es einen Unfall gab. Die DFS hat einfach das gemacht, was sie auch tun soll und gut kann, nämlich Flugrouten festlegen (um sie hinterher überwachen zu können). Diesmal ging es um die Flugrouten vom gerade im Bau befindlichen Flughafen BBI in Schönefeld bei Berlin. Als die bekannt wurden, gab es einen riesigen Aufschrei: Die Routen führten geradewegs über die Vorgärten der Reichen, der Mächtigen und anderer Zelebritäten (dort, wo sich auch Wildschweine gern aufhalten.) Darüber haben wir hier schon geredet ( s. „St. Florian“ vom 6. Oktober 2010).
Nahezu zeitgleich tauchte die DFS auch im Fernsehen auf. Nein, nicht (nur) in den Nachrichten und Magazinsendungen, die die Festlegung der Flugrouten skandalisierten, sondern in der Werbung. Das hat sie früher nie getan! Zwei junge Menschen, Mitte Zwanzig, ein Mann und eine Frau, sitzen vor riesigen Schaltborden, parlieren ziemlich cool auf Lotsen-Englisch und legen lässig ein paar Hebel um, ehe sie sich lächelnd und mit einem gefühlten Augenzwinkern direkt an den Zuschauer wenden. Nicht an alle, sondern an die jungen, denn die duzen sie gleich ganz unprätentiös und fragen sie sinngemäß: „Willst du nicht auch Fluglotse werden?“ Und (die Frau!): „Traust du dir was zu?“
Und das gefühlte Augenzwinkern? Ich kann es nicht beweisen, bin aber überzeugt, dass es einen Bezug zu den Berliner Flugrouten herstellt. Etwa so: „Haste Bock, Bonzen zu ärgern?“