Alle konnten es sehen, die Fernsehkameras fuhren den Mannen über die Münder. Die der meisten deutschen Spieler blieben unbewegt. Hymnenverweigerer? Die Stammtische und Medien zerrissen sich die Mäuler darob, BILD moserte: „Sie haben den deutschen Pass, aber verweigern die Hymne. Das kann`s nicht sein.“

Was hat man denn erwartet? Eingekaufte Söldner, die zudem noch sanges- freudig sind? Das treibt wohl der Preis nach oben. Wer allerdings heute, im Zeitalter der Globalisierung nationale Hingabe erwartet, hinkt meilenweit hinterher. Emotionen als Bestandteil der Berufsraison kann man höchstens bei Schauspielern erwarten.

Bleiben drei Wege aus dem gefühlten Missstand: 1. Das Singen der Hymne wird in speziellen Trainingseinheiten zwangsge- übt. Ohne Garantie allerdings für ein brauchbares Ergebnis. Denn nicht jeder kann singen. Man denke nur an die Performance der deutschen Hymne/ Schöneberger Fassung mit dem Leadsänger Helmut Kohl! Wollen wir das, brauchen wir das wirklich?

2. Der Text wird abgeschafft (wie das einige Staaten bereits aus unterschied- lichen Gründen – keineswegs wegen des Fußballs – getan haben). Die Spieler stehen – legitimiert – stumm herum.

3. Die nicht-singenden Spieler werden kurzfristig durch singende Doubles ersetzt. Dabei sollte man aber allergrößte Sorgfalt walten lassen, denn so manch ein Sänger könnte sich auf diesem Weg den Traum von einem Kick in der Nationalelf erfüllen wollen!

4. Die Nationalhymne (Haydn!) wird durch das bekanntere und art- gerechtere „Olé, olé olé, olé!” abgelöst. Das ist übrigens – entgegen weit verbreiteter Ansicht – nicht die spanische Nationalhymne.