Die Tschechen kaufen den Deutschen die Eier weg! Jedenfalls im Grenzgebiet bei Zittau. In ihrem Heimatland sind die Preise für den Hühnernachwuchs auf ein Rekordhoch geklettert, also machen sich die Tschechen auf den Weg über die Grenze. Wie zuvor übrigens die Polen schon für Zucker und die Deutschen für eigentlich alles. Vor allem aber für Benzin.
Doch wie reagieren die deutschen Händler darauf? Sie rationieren die Eier. Kaufmännisch ist das vielleicht vernünftig, aber politisch? Ist es nicht die Kehrseite der berühmten „deutschen Bananen“, die zu kaufen Tucholski die Deutschen aufrief? Produkte im Dienst des Patriotismus. Ähnlich dem „kufritischen Tineff“ in der Geschichte von Roda Roda, den die Kufriten kaufen sollten, statt Kamelmist aus der Nachbaroase zu beziehen.
Überlegungen, den freien Warenverkehr zu reglementieren, sind, wie diese Aufrufe zeigen, keineswegs neu. Aber war da nicht was mit Europa als einheitlichem Wirtschafts- (und Kultur-)raum? Praktizieren die Tschechen nicht gerade Europa?
Es ist schon eigenartig: Immer wenn die europäische Idee irgendwo ernst genommen wird, hebt anderen Orts ein lautes Wehklagen an. Sollen doch die Tschechen uns die Eier wegfressen, sind sowieso ungesund. Wir halten uns dann eben an ihrem Bier schadlos.