Es gibt Designer-Klamotten, Designer-Möbel, Designer-Food, ja sogar Designer-Babys und vieles mehr, was sich mit dem Label „Designer“ schmückt. Die bayerische Sozialministerin hat dieser Tage gerade den Design-Immigranten generiert. Design – oder Designer : dieser Zusatz soll ausdrücken, dass es sich um Einzelstücke handelt, handgeschnitzt und ganz schön teuer. Ganz allgemein assoziiert man dieses Wort mit etwas Gestaltetem beziehungsweise mit dessen Gestalter, also einem Künstler. Designerflaschen sind übrigens nicht die Künstler, die besonders kunstvolle Flaschen herstellen, sondern die Flaschen selbst.

Um so größer war mein Schreck, als ich heute morgen aus dem mich weckenden Radio erfuhr, dass die Explosion eines Triebwerks der Quantas-Maschine vor wenigen Tagen bei Singapur auf einen „Fehler im Material oder Design“ zurückzuführen sei. Fehler im Design? Hatte beim Bau des Super-Airbus a380 ein Künstler etwa ins falsche Farbschälchen gegriffen? Und so den Triebwerken eine unterschiedliche Bemalung verpasst? Oder hatte er gar den Triebwerken unterschiedliche Gestalt verliehen? Vor meinem inneren Auge erschien so etwas wie ein Hundertwasser-Flugzeug.

Zugegeben, Künstler, besonders Bildhauer und, – wie heißen diese Leute noch mal, die aus Müll Kunst machen? – na, Sie wissen schon -, also die müssen heutzutage ein ganz schönes technisches Know-how besitzen, denn mit dem Arbeitsgerät, vor allem aber der Arbeitsunterlage umgehen zu können, ist nicht ganz einfach. Oft müssen aufwendig Schwertransporter, Kräne (etwa beim Ballett der Kräne an der Baustelle des Potsdamer Platzes in Berlin), wenig Kunst-affine Dinge also, in Bewegung gesetzt werden. Doch wozu benötigen Flugzeugmotoren einen Designer?

Nun, dann, wenn jemand meint, ein Wort aus einer anderen Sprache 1:1 ins Deutsche übersetzen zu können. Manchmal ist es gar nicht einfach, zwischen Lehnwörtern, die bereits in den eigenen Wortschatz eingegangen sind, integriert gewissermaßen, und Anleihen aus einer fremden Sprache zu unterscheiden. Die Sprachdidaktik warnt vor „falschen Freunden“, Wörter, die in zwei Sprachen ähnlich scheinen und doch etwas anderes bedeuten. „Gift“ im Deutschen meint etwas ziemlich anderes als das gleichlautende Wort im Englischen. „Design“ im Sinne der ästhetischen Gestaltung von Dingen des praktischen Gebrauchs ist im Deutschen wohlbekannt. Man kann es sogar studieren. Doch dieses Wort taucht im technischen Englischen als „Konstruktion“ oder „Entwurf“ auf. Wenn man das im Deutschen mit „Design“ wiedergibt, haben wir den Salat.

Also Ursache der Havarie war ein Materialfehler oder aber ein Konstruktionsfehler. Und so einer ist keine Einzelanfertigung. Beunruhigt stand ich auf.