Dieser Tag wird heute zum 25. Mal gefeiert. Es ist einer der geschichtsträchtigsten Tage in der neueren deutschen Geschichte: Hitlerputsch in München (1923), die Zerstörung der Synagogen in Deutschland durch die Nazis (1938) sind die jüngsten und augenfälligsten. Natürlich ist hier der Fall der Berliner Mauer gemeint, es gibt nur zwei Mauern von weltpolitischer Relevanz auf der Erde: die chinesische und die Berliner. Eine dritte von ähnlicher Größenordnung, die Jerusalemer, muss sich erst noch als würdig erweisen diesem Format zugeordnet zu werden.

Gedenkfeiern aus diesem Anlass fanden in der gesamten Republik statt. Auch und vor allem in Berlin. Wolf Biermann sang (!) vor dem Bundestag. Im (!) Reichstag, sollte er nach dem Willen des Bundestagspräsidenten nicht reden. Ja wo sind wir denn? Hat Herr Lammert denn keinerlei Sinn für politische Symbolik?

Den hat ganz sicher das Volk. Es streifte durch die geschmückte Stadt, wo etwa 7.000 Luftballons den Verlauf der Mauer markierten, eine „temporäre Teilung“, die heute Abend mit dem Freilassen der Luftballons zu Ende gehen sollte, sie schoben sich von Event zu Event mit und ohne Bratwurst. Und wem das noch nicht reichte, der konnte noch shoppen gehen: zwischen 13 und 18 Uhr war einer der verkaufsoffenen Sonntage eingeschoben, den das Gesetz den Gemeinden zugesteht.

Und dann wären wir schließlich dort angekommen, wo die Vereinigung uns und die mit uns Vereinigten immer schon haben wollte[n] : beim Shoppen.