John Demjanjuk, einst Nazi-Kollaborateur und jetzt staatenloser US-Ameri- kaner mit dort ansässiger Familie, soll in München vor ein deutsches Gericht gestellt werden. Er wird beschuldigt, im Dienst der Nazis 29.000 Menschen im Vernichtungslager Sobibor in den Tod getrieben zu haben.

Um seine Abschiebung nach Deutschland gibt es nun schon seit Wochen Streit, die Familie hatte immer wieder versucht, unter Hinweis auf den Gesunheitszustand des 89-Jährigen die Abschiebung zu verhindern, mehr- mals mit Erfolg, jetzt wohl endgültig ohne.

Die Berichterstattung über diesen Fall nahm stellenweise Züge eines boulevardesken Sensationsjournalismus an. Details über seine dann schließ- lich doch noch abgebrochene Überstellung aus den USA nach Deutschland, prominent platziert, trieben tagelang die Medien um.

Dabei war „Iwan der Schreckliche“, wie er von den Lagerinsassen genannt wurde, nur Vollzugsgehilfe der Nazis. Doch man gewinnt durch den medialen Hype den Eindruck, hier sei endlich der eigentlich Schuldige der Naziverbrechen gefasst worden. Als sei das Gerichtsverfahren gegen ihn ein Akt der Selbstreinigung. In wessen Auftrag hat er denn gehandelt? Ist er wirklich ein „mutmaßlicher Nazi-Verbrecher“, wie selbst die in solchen Fragen eher sensible taz schreibt, oder nicht einfach nur ein Hilfswilliger, der seine Haut als sowjetischer Kriegsgefangener dadurch retten wollte, dass er seine Seele verkaufte, sich zum Werkzeug des organisierten Verbrechens machte? Nazis, das waren die, in dessen Auftrag (und für deren Rechnung) er arbeitete. Da hilft kein Drehen und Wenden – das Gewicht unserer Schuld wird durch seine mögliche Verurteilung um kein Gramm geringer.

Unsere schmutzigen Hände können wir nicht in der Schuld anderer waschen.