Ein guter Reiseleiter ist nicht nur allzeit gut informiert, verfügt jederzeit über einen Plan B, ist nie um eine Antwort verlegen. Er ist trotz nerviger Reisender stets verbindlich, hält zugleich aber Abstand, denn bei der unvermeidlichen Rudelbildung unter den Reiseteilnehmern wäre Parteinahme das Ende seiner Autorität und damit seiner Einwirkungsmöglichkeiten.
Ein Übervater. Doch das alles ist nicht neu, wussten wir schon. Diesmal habe ich eine neue Seite an dieser Leitfigur entdeckt. Die Reise durch die Türkei zu spektakulären Kulturgütern war bestens organisiert, betreut und mit historischen Informationen unterfüttert. Dazu außerordentlich preiswert. Nichts zu meckern, wären da nicht die Besichtigungen bei Teppichknüpfern, Lederkleidungsproduzenten, Juwelieren und noch manches mehr gewesen. Keineswegs traditionelles Handwerk, nein modernste Fabrikationsanlage, zuvorkommendste Betreuung, günstige Preise sowie Finanzierung. Hatte nicht das Geringste mit der eigentlichen Bildungsreise zu tun, nur es machte sie preiswerter. Darüber kann man streiten, das aber ist nicht der Punkt.
Es geht um die Rolle des Reiseleiters. Der plante die Einkaufsstopps nicht nur, sondern wurde auch nicht müde, sie weiträumig anzukündigen und darauf hinzuweisen, dass alles sei durch und durch freiwillig. Niemand würde es uns verübeln, wenn wir schulterzuckend weiterzögen. Natürlich, zwingen kann man die Reisenden zum Kaufen nicht, doch es ist ein Gefühl wie inmitten eines Schwarms bettelnder Kinder in einem Entwicklungsland. Kein gutes Gefühl, eine Mischung aus Angst um die Ersparnisse und schlechtem sozialen Gewissen.
Der Reiseleiter nahm in seiner Laudatio alle Argumente für und wider auf, wägte sie ab um schließlich zu einem Urteil zu kommen, das, wen wundert es, zugunsten des Kaufs ausfiel. Er vollzog diese Diskussion coram publico, jeder vermochte jedem seiner Argumentationsschritte zu folgen, Angesichts seiner Kompetenz, Informiertheit, seiner Beliebtheit, eben seiner Übervaterrolle wurde sein Urteil zur allgemeinen Richtschnur der individuellen Entscheidung.
Ich habe gelernt, dass es eine der wichtigsten Fähigkeiten des Reiseleiters darin besteht, dem Reiseteilnehmer das schlechte Gewissen gegenüber einem nicht geplanten, aber dann doch getätigten Einkauf zu nehmen, wegzuargumentieren und ihn so zu einem potenziellen Kunden oder Shopper umzustilisieren. Ein guter Reiseleiter ist nicht nur allzeit gut informiert, verfügt jederzeit über einen Plan B, ist nie um eine Antwort verlegen. Er ist trotz nerviger Reisender stets verbindlich, hält zugleich aber Abstand, denn bei der unvermeidlichen Rudelbildung unter den Reiseteilnehmern wäre Parteinahme das Ende seiner Autorität und damit seiner Einwirkungsmöglichkeiten.
Ein Übervater. Doch das alles ist nicht neu, wussten wir schon. Diesmal habe ich eine neue Seite an dieser Leitfigur entdeckt. Die Reise durch die Türkei zu spektakulären Kulturgütern war bestens organisiert, betreut und mit historischen Informationen unterfüttert. Dazu außerordentlich preiswert. Nichts zu meckern, wären da nicht die Besichtigungen bei Teppichknüpfern, Lederkleidungsproduzenten, Juwelieren und noch manches mehr gewesen. Keineswegs traditionelles Handwerk, nein modernste Fabrikationsanlage, uuvorkommendste Betreuung, günstige Preise sowie Finanzierung. Hatte nicht das Geringste mit der eigentlichen Bildungsreise zu tun, nur es machte sie preiswerter. Darüber kann man streiten, das aber ist nicht der Punkt.
Es geht um die Rolle des Reiseleiters. Der kündigte die Einkaufsstopps nicht nur an, sondern wurde auch nicht müde, sie weiträumig anzukündigen und darauf hinzuweisen, dass alles sei durch und durch freiwillig. Niemand würde es uns verübeln, wenn wir schulterzuckend weiterzögen. Natürlich, zwingen kann man die Reisenden zum Kaufen nicht, doch es ist ein Gefühl wie inmitten eines Schwarms bettelnder Kinder in einem Entwicklungsland. Kein gutes Gefühl, eine Mischung aus Angst um die Ersparnisse und schlechtem sozialen Gewissen.
Der Reiseleiter nahm in seiner Laudatio alle Argumente für und wider auf, wägte sie ab um schließlich zu einem Urteil zu kommen, das, wen wundert es, zugunsten des Kaufs ausfiel. Er vollzog diese Diskussion coram publico, jeder vermochte jedem seiner Argumentationsschritte zu folgen, Angesichts seiner Kompetenz, Informiertheit, seiner Beliebtheit, eben seiner Übervaterrolle wurde sein Urteil zur allgemeinen Richtschnur der individuellen Entscheidung.
Ich habe gelernt, dass es eine der wichtigsten Fähigkeiten des Reiseleiters ist, dem Reiseteilnehmer das schlechte Gewissen gegenüber einem nicht geplanten, aber dann doch getätigten Einkauf zu nehmen, wegzuargumentieren und ihn so zu einem potenziellen Kunden oder Shopper umzustilisieren.