Nach mehr als dreißig Jahren leiste ich mir einen Totalumbau meines Bades. Und zwar durch Profis. Seinerzeit hatte ich einer diffusen Bastelleidenschaft nachgegeben. So waren viele Teile inzwischen weder niet- noch nagelfest.
Die Profis bestellten kurzerhand einen Bauschutt–Container und füllten diesen mit all dem niet- und nagelunfesten Zeug. Die alte Badewanne allerdings stellten sie in den Vorgarten, da sie nicht in den Container hineinpasste.
Die Badewanne war curryfarben, erstrahlte im Charme einer Ästhetik der frühen achtziger Jahre. In dem dank des überlangen Winters noch kahlen Garten der einzige Blickfang. Zumal die orangefarbene Wertstofftonne über Nacht verschwunden war, systembedingt.
In diese Farbidylle hinein platzte eines Tages – der Umbau hatte seine ersten Höhepunkte bereits hinter sich – der schrille Ton meiner Hausklingel. Draußen standen zwei Jugendliche, deutlich vor ihrem Migrations- hintergrund. „Meister, dürfen wir die Badewanne haben?“ Nun, warum nicht? Ich hatte zwar erwogen, den Fischen eine kleine Sportanlage daraus zu basteln. Doch wer kann schon einem so charmant vorgetragenen „Meister“ widerstehen? Im übrigen waren die Fische noch gar nicht angetreten und zum anderen hatten die Katzen des Viertels da auch noch ein Wort mitzureden.
Ich gab ihnen natürlich die Badewanne. Daraufhin baten sie, den Container sich genauer ansehen zu dürfen. Langsam wurden sie auch in der Sprache lockerer, wobei das unterwürfige „Meister“ blieb.
Mir fiel dazu eine Geschichte aus der Vergangenheit ein. Aufgeschrieben hat sie der rumänisch-österreichische („kakanische“) Satiriker Roda Roda. Bei einem Flaniergang durch Karlsbad hatte sich ihm ein junger Landsmann angeschlossen. Der fragte ihm Löcher in den Bauch. Überdies nannte er ihn immerzu: Meister. Lassen wir Roda Roda selber berichten:
Ich wurde endlich ungeduldig.
„Herr, machen Sie mich nicht rasend mit Ihrer abgeschmackten Formel!“
Darauf der junge Mann:
„Wenn einer nicht Baron ist, nicht Leutnant und nicht Doktor – sagen Sie selbst, wie soll man einen solchen Trottel anreden, Meister?“
Die Jungs baten mich dann noch, den Inhalt des Containers checken zu dürfen. Ich war in Spendierlaune. Machte ihnen nur die Auflage, alles besenrein zu hinterlassen. Zu diesem Zweck stellte ich ihnen Besen und Schaufel bereit.
Noch etwa zehn Minuten lang waren vom Schauplatz der Müllorgie heftige Geräusche zu hören, dann wurde es ruhig. Ich ging neugierig gucken. Der Müll war grandios ausgebreitet; von den Müllsammelgeräten aber fehlte jede Spur. Wie auch von den Jungs.