Warum nur ist Deutsch so schwer? Ich meine nicht nur die hinreichend beklagte semantische Divergenz bei struktureller Gleichheit, Typ: Schweineschnitzel vs. Jägerschnitzel. Auch in anderen Bereichen zeigt sie eine gewisse Eigenwilligkeit. Dabei sind wir, ihre Nutzer, doch so harmonieaffin!

Nehmen wir einmal ein völlig überflüssiges Wort wie: „Inklusion“. Wahrig kennt es gar nicht, wohl aber „inklusive“ etc. Man könnte dafür, wenn es schon ein gebildetes Wort sein soll, „Integration“ nehmen, darüber ist in den letzten Jahren ja hinreichend gestritten worden. Nun könnte man der Meinung sein, „Inklusion“ sei etwas Besonderes, geht es doch nicht um Integration schlechthin, sondern um die behinderter Kinder. Das würde mich überzeugen. Doch eine vehemente Vertreterin des Inklusionsgedankens sprach in einem Rundfunk-Interview stets von „Integration“, nicht aber von „Inklusion“, Das machte mich stutzig, vielleicht könnte man dem Leser oder Zuhörer so viel logisches Einfühlungsvermögen unterstellen, um ihn in der Lage zu sehen, den Unterschied verstehen zu können. In letzter Zeit machten nicht wenige Wörter, die fast schon ausgemustert schienen, eine zweite Karriere oder wechselten kurzerhand von einer fachsprachlichen zu einer allgemeinsprachlichen Verwendung, Beispiel: „eingebettet / embedded“ aus der Sprache der Grammatik (Noam Chomsky spricht bei bestimmten Nebensätzen von „eingebetteten Sätzen“). Das verhilft der manchmal sehr abstrakten Linguistik-Sprache doch zu einem gewissen Alltagscharme, weshalb ich auf „eingebettet“ ungern verzichten möchte.

Oder nehmen wir das unsägliche „Visa“: „Braucht man für die USA ein Visa?“ Das geht bei jungen Leuten so durch, haben die doch brav (amerikanisches) Englisch gelernt. Uns altgedienten Lateinern dagegen windet sich der Magen. Haben wir doch im Gedächtnis etwas über den Unterschied von Singular und Plural gespeichert. Aber auch hierzulande verzeichnen wir ja ein Zusammenwachsen dieser beiden Kategorien. (s. Peter Köhler: In Zeiten der Plurale, taz 9.4.2014, S.20)

Aber zurück zur Inklusion. In Österreich haben sie es da etwas leichter, das Wort einzuordnen, wenn auch nicht mit der spezifischen Konnotation, auf die es in dem oben angesprochenen Kontext eingeschränkt ist. Kaum ein Hotel dort bietet Zimmer an, ohne dass das Frühstück „inkludiert“ wäre. Es ist ganz gewiss kein gehandicaptes Frühstück.