Ein Zwanzigjähriger ist, offenbar nach durchzechter und durchtanzter Nacht, am vergangenen Wochenende am Alexanderplatz umgebracht worden. Brutal totgetreten von einer Gruppe wohl ebenfalls junger und dazu gewaltbereiter Männer. In den offiziellen Verlautbarungen zu diesem Vorfall, die von den Medien übernommen wurden, wird der Hinweis, dass es sich bei dem Opfer um einen jungen Mann vietnamesischer Herkunft gehandelt habe, nur mit größter Zurückhaltung ausgesprochen, meistens bleibt es bei „einen Zwanzigjährigen“ oder schlicht „einem jungen Mann“.
Warum eine derartige, so gar nicht medienübliche Diskretion geübt wird, liegt auf der Hand: Die amtlichen Stellen wollen dem Eindruck es habe sich um einen rassistisch motivierten Akt gehandelt, entgegenwirken, ihm erst mal keinen Raum geben. Rassismus in einer ihrem Selbstverständnis nach weltoffenen, liberalen Stadt komme nicht gut. Also tut man so, als gäbe es dieses Problem nicht, als habe sich das alles schlicht unter Menschen abgespielt. Motiv: unklar. Dazu tönt der Innensenator, das alles sei nicht hinnehmbar- womit er Recht hat, spricht von Werteverfall und davon, dass alles in den Köpfen anfange. Auch da hat er Recht, aber warum zählt er nicht mal 1 + 1 zusammen?
Der Vorgang spielte sich offenbar folgendermaßen ab: Das spätere Opfer war in einer kleineren Gruppe unterwegs. Einer von ihnen war stock- besoffen, konnte sich nicht mehr auf den Füßen halten. Das spätere Opfer, nennen wir ihn A., versucht einen Stuhl zu beschaffen, wird daran von einer Gruppe anderer Nachtschwärmer (Deutsche?) gehindert, schließlich fallen die über A. (und seine Kumpels) her. Die Details sind nicht so wichtig. Worauf es ankommt ist folgendes: Stellen wir uns einmal vor, die Szene hätte sich zwischen zwei Gruppen deutscher Jugendlicher abgespielt. Wäre es da auch zu solche einem Gewaltexzess gekommen? Wohl nicht. Der entscheidende Faktor ist die Tatsache, dass es sich bei den Angegriffenen um Vietnamesen, bei den Angreifern aber um Deutsche gehandelt hat. Letzteres ist noch nicht erwiesen, das vermute ich mal. Es können auch Türken oder Araber gewesen sein, sicherlich aber keine Vietnamesen
Was, bitte schön, fängt also in den Köpfen an? Die Idee, über Betrunkene herzufallen? Nein, es gibt eine unheimlich tiefsitzende Solidarität gegenüber Betrunkenen, man erkennt sich in ihnen wieder. Oder die Idee, man müsse Stühlesuchende mit Fußtritten malträtieren? Absurd. Ohne den Parameter „fremdländisch“ oder hier „vietnamesisch“ macht das alles keinen Sinn. Und der sitzt in den Köpfen
Man sollte darüber nachdenken, wie er da hinein gekommen ist.