Karikatur im Schattenriss-Stil von Kriki in der taz (3./4.1.2009, S.9.): Frau und Mann entspannt unter einem Sonnenschirm. Er hält ein Glas in der Hand.
Sie: „Stell dir vor: 50 Jahre Cuba libre!“
Er: „Ja, gute Drinks setzen sich immer durch!“
Der Witz beruht auf dem Doppelbezug von „Cuba libre“: Revolution und Cocktail, jedem das Seine. Sollte einst die Revolution passé sein, als Partygetränk bleibt sie uns erhalten.
Man kann nun über political correctness nachdenken. Doch schlimm ist dieser Fall nicht, die Revolution hat ja auch etwas Fröhliches.
Neulich stand ich im Supermarkt vor dem Regal mit den Desserts. Da fiel mir eine Mousse von Oetker ins Auge, die ich zuvor noch nicht gesehen hatte, eine „saisonale Variante“ mit dem klangvollen Namen „Lumumba“. Lumumba – da war doch was? Langsam kam die Erinnerung. Patrice E. Lumumba (1925-61), Freiheitskämpfer während der Kolonialzeit und erster Ministe präsident der Republik Kongo), der den Mut besaß, bei der offiziellen Feier der Entlassung in die Unabhängigkeit dem belgischen König Baudouin I. die ganze Wut über die erniedrigende Kolonialherrschaft ins Gesicht zu schreien, den Schön färbereien der scheidenden Kolonialherren zu widersprechen. Spätestens als er Beistand gegen die indirekte Fortdauer der Kolonialherrschaft in Moskau suchte, geriet er als „kommunistisches Sicherheitsrisiko“ auf die Liquidierungslisten der amerikanischen und belgischen Geheimdienste. Mitte Januar 1961 wurde er auf grausamste Weise ermordet, die Leiche zerteilt, in Säure aufgelöst, verbrannt.
Die Vorgänge damals erschütterten die Welt, Lumumba wurde zum afrikanischen Freiheitsmythos. Von Jean-Paul Sartre stammt der Satz: „Seitdem Lumumba tot ist, hört er auf, eine Person zu sein. Er wird zu ganz Afrika.”
Hat jemand noch Appetit auf die Mousse? Oder ein Glas Lumumba-Cocktail? „Lumumba“ ist übrigens ein politischer Kampfname, er bedeutet „Aufrührerische Massen“. Wohl bekomm’s!
PS:Die Nordfriesen haben intuitiv den makabren Charakter des Longdrinks erfasst, sie nennen die heiße Variante „Tote Tante“.