Die gute Nachricht: Der Hauptbahnhof Cottbus wird vollständig geschlossen. Die schlechte: nur für 60 Stunden.

Es geht um die Erneuerung der Stellwerke, die seien teilweise schon über einhundert Jahre alt. Leider nutzt man nicht die Gunst der Stunde, die Geruchsbelästigung aus dem Gebäude zu verbannen. Auch wenn ein Wochenende, denke ich, nicht ausreichen würde, dieses beklemmende Gemisch aus Düften von Kaffee, Fritten, Döner und Bratwurst, alles schon etwas angeranzt, hinweg zu zaubern.

Natürlich hat diese Geruchswolke auch andere Hauptbahnhöfe älteren Baujahrs fest im Griff. Sie wurden früher nämlich nach dem Käseglocken-Prinzip errichtet. Das macht an sich nichts, da zu jenen Zeiten, als die Bahnhofs-Kathedralen entstanden, es dort nur in den Wartesälen, hinter verschlossenen Türen also, etwas zu essen gab. Es wurde eben nicht in aller Öffentlichkeit gebrutzelt. Und alles in allem war die olfaktorische Botschaft, die von den Speisen ausging, weitaus, – ich wage es zu sagen – , weniger aggressiv. Heute gleicht der gesamte Bahnhof einer Großküche mit Gleisanschluss.

So weit zur Evolution der Bahnhöfe. In der Tat könnte man auf die Idee kommen, hinter allem walte eine fein abgestimmte Strategie: Die zunehmende Neigung zur Verspätung nötigt den Fahrgästen längere Wartezeiten ab. Und was machen sie dann? Genau: Sie gehen Shoppen und essen zwischendurch etwas von dem zwar eintönigen, aber aggressiv lockenden Angebot. Dass die Leute immer dicker werden, – wen wundert’s? Erst müssen sie Geld ausgeben, um sich krank zu fressen, dann wird ihnen noch das Geld für die Deckung der Krankheitsbeseitigungskosten (oder, wie beschönigend gesagt wird, Gesundheitskosten) aus der Tasche gezogen. Der Kapitalismus vermag noch jeder Situation neue Wachstumsimpulse abzugewinnen.

Vorbei die Zeiten, da die Bahn mit der kreativen Langeweile warb. Heute gilt: Wer rastet, der rostet. Und da ist es doch eigentlich unerheblich, ob sich ein Bahnhof über oder unter der Erde befindet. Vielleicht hätte man sich in Stuttgart einmal die Mietverträge mit Einzelhändlern ansehen sollen, um zu begreifen, dass ein neuer Bahnhof gebaut werden muss, gleich auf welcher Ebene, damit die vielen Läden, von denen die DB horrende Mieten kassiert, untergebracht werden können. So können die Leute mit 29 Euro durchs Ländle brausen, um dann an den Futterstellen das eingesparte Geld zu verprassen. Eine klassische Win-Win-Situation, wenn man nicht allzu genau hinschaut. Denn würde man nicht mit der DB fahren, hätte man keine Verspätung und bräuchte das so entstandene Zeitloch nicht mit pappiger Pizza zu füllen.