Christoph Degen ist Landtagskandidat der SPD in Hessen, am kommenden Sonntag entscheiden die Wähler in diesem Bundesland über seine weitere politische Karriere. Was, wenn er nicht in den Landtag einzieht?, wurde er in einem Radiointerview gefragt. Nun, er sei ja noch jung, erwiderte der 28-jährige, dann werde er weiter an seiner Promotion arbeiten.
„Promotion“ nennt man ein Verfahren, durch das jemand „vorwärts bewegt“, also „befördert“ wird, nämlich in eine höhere Position. In der akademischen Welt ist damit die Beförderung zum Doktor gemeint. Dazu muss man, wenn dies nicht ehrenhalber geschieht, eine wissenschaftliche Arbeit schreiben, die Dissertation, über die eine Kommission befindet. Im positiven Fall promoviert sie den Kandidaten zum Doktor einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin. Folgerichtig wird der Kandidat promoviert (etwa zum Dr. phil), wohlgemerkt im Passiv.
Der zu Befördernde selbst kann an der Beförderung nicht aktiv mitwirken, und das ist auch gut so. Er kann nur die Voraussetzung dazu, die Doktorarbeit (Dissertation) liefern. In dem eigentlichen Promotionsverfahren aber ist er nicht mehr Akteur. Es sei denn, er versucht - illegitimen – Einfluss auf dessen Fortgang zu nehmen. Wenn Herr Degen also meint, er werde an seiner Promotion arbeiten, klingt das dann nicht nach „Landschaftspflege“, also Beziehungen aufbauen, das Umfeld bestellen etc.? Manchem mag dies kleinlich erscheinen, Korinthenkackerei. Ist doch klar, was Degen sagen will, wird man einwenden. Nur, Degen sagt es halt nicht. Wenn Kommunikation so einfach wäre, bräuchten wir die Sprache ja nicht. Und: Bei einem Politiker in spe kann man im Detail nicht argwöhnisch genug sein. Dort liegt bekanntlich der Teufel.
Sicherlich hat es sich heute eingebürgert, sprachlich den Kandidaten an seiner Promotion arbeiten zu lassen. Die Wendung „Ich promoviere in …“ wird kaum noch als befremdlich empfunden. Doch auch wenn sie nicht reflexiv gebraucht wird, klingt sie mir wie „Ich promote mich.“