Ich esse so ziemlich alles. Daher verbringe ich manche Stunde auf den umliegenden Märkten, immer auf der Suche nach einem kulinarischen Kick. Ich schrecke da nicht einmal vor deutscher Küche zurück. So bot neulich der thüringische Fleischer, bei dem ich gern nach frischer – ich gestehe! – Blutwurst vorbeischaue, eine Weltneuheit: Und diese neue Attraktion, die er da am Wickel hatte und lauthals präsentierte, nannte sich: Die Berliner Trommel, – eine irgendwie undurchschaubare Apparatur, in der Fleisch und Gemüse zusammengeschmolzen werden, ehe man sie nach Gyros-Art in ein Hohlbrot abfüllt.
Dies sei die deutsche Antwort auf den Döner, verkündete er strahlend und fotografierte seine glücklichen – deutschen – Kunden beim Hineinbeissen. Klar, dass ich das auch probieren musste. Nur ein Foto verbat ich mir, wegen der vielen Vegetarier in meinem Umfeld. Man stelle sich vor, ich würde bei dem angeschlossenen Wettbewerb den 1.Preis gewinnen! Und außerdem: Thüringen und Döner, – da war doch was gewesen?!
Der Fleischer fragte mich dann, wie es geschmeckt habe. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, dass der Döner mir mehr zusage als diese Eintopf-Cover-Version. Doch ganz unter uns: Döner mag ich schon lange nicht mehr. Nein, nicht wegen des Gammelfleischskandals. Liegt mir ein- fach zu schwer im Magen.
Natürlich esse ich auch gern, – und koche es wohl ganz gut – , japanisch. Ist mir aber, mit Verlaub gesagt, irgendwie doch zu eintönig. Soja-Sauce in allen denkbaren Geschmacksvarianten. Zu besonderen Anlässen, in möglichst großer, geselliger Runde – herzlich gern. Aber als einsames Allt agsessen?
Französisch ist mir eine Nummer zu groß. Außerdem geht mir der Wein beim Coq au vin immer vorzeitig aus. Bleibt das italienische Essen. Das ist einfach genial, mit einfacher Kochkunst von jedermann schmackhaft herzustellen. Und ich werde seiner nie überdrüssig. Zumal die Palette der durchaus akzeptablen Halbfertiggerichte, die man nach Gusto variieren und ergänzen kann, immer weiter wächst.
Neulich fiel mein Blick in einem Supermarkt auf Packungen mit Carpaccio. Ich konnte nicht widerstehen. Zu Hause las ich dann während des Essens nur so zum Zeitvertreib, vielleicht auch um den Genuss zu steigern, das Kleingedruckte. Seither wiederkäue ich die Bezeichnung für die Hauptzutat: „Rindfleisch, umgerötet“.