Frisch versehen mit Schulfernsehwissen vom Vortag („Wie machen´s die Tiere?“, in dem sich zwei Hirsche um eine Hirschkuh prügelten) ging ich heute zum nahe gelegenen Supermarkt. Der Weg dorthin führt an einem Sportplatzgelände vorbei, wo, wie so oft, männliche Jugendliche Fußball spielten. Schon unzählige Male habe ich die dabei ablaufenden Rangeleien gesehen, die wilden Schreie gehört – und mir nichts dabei gedacht. Außer vielleicht: So ist Fußball.
Doch heute sah ich alles mit anderen Augen, dem Film sei´s gedankt. Es geht gar nicht um Fußball, sondern das sind Vorübungen für die kommenden Revierkämpfe, aus denen der Platzhirsch hervorgeht, der sich dann bei der Besamung der Weibchen verausgaben darf. Die bestimmen zwar letztendlich – so der Filmkommentar – , wer ran darf, greifen aber selber in die Vorauswahl nicht aktiv ein.
Natürlich sind es immer die starken, durchsetzungsfähigen Männchen, die als Sieger auf dem Platz bleiben, doch dieser Teil des Rituals greift beim Menschen wohl nicht mehr. Der hat sich ja angeblich von der Muskelherrschaft wegemanzipiert, so dass nicht der Stärkste, sondern der Reichste oder Mächtigste, also der in einer sublimierten Form der Stärke Dominierende, das attraktivste Weibchen einsteckt. Nur die armen Jungs auf dem Bolzplatz wissen nichts davon, sie trainieren, verharrend in einer archaischen Konditionierung, ihre Physis.
Doch sie werden um den Lohn ihrer Mühen betrogen: Denn wenn sie einst erwachsen sind und dem Rivalen eins über die Rübe geben, kommt der Staatsanwalt, bringt sie in den Knast und das Weibchen in sein Bett.
Merke: Muskelkraft ist gut, Status besser.