In der taz vom 1. August 2012, S.24 (Berlin-Teil / taz-Plan) ist in dem Artikel über Tony Bennett der folgende Zwischentitel zu lesen:
„Lady Gaga legte sich nackt auf ein Sofa, und ich zeichnete sie, wie Gott sie schuf.“
Das ist ein Zitat, Tony Bennett soll es gesagt haben. Aber vermutlich nicht so, sondern auf Englisch. Das erklärt möglicherweise die kleine temporale Unstimmigkeit: Es soll wohl heißen: „… wie Gott sie geschaffen hatte“, also Plusquamperfekt. Doch welcher Umgeher mit der deutschen Sprache kann schon Plusquamperfekt! Lady Gaga zu zeichnen just in dem Moment, da Gott sie schuf, wäre ja schon ein ganz schöner Hammer!
Doch es geht hier nicht beckmesserisch um sprachliche Fragen. Vielmehr:
– Wenn Gott Lady Gaga geschaffen hat, dann ist die wohl die Schwester von Jesus, vielleicht auch von Adam. (Bei der Frage nach den verwandt- schaftlichen Beziehungen zu Eva allerdings kommen andere Faktoren ins Spiel, weshalb ich hier nicht darauf eingehen will. Der Rest der Menschheit ist nicht von Gott geschaffen, sondern nach dessen Bild, was ein nicht geringer Unterschied ist!)
– Der Moment der Schöpfung / Zeugung scheint mir etwas spät. Was war denn, ehe sich Gaga aufs Sofa legte? Existierte sie da noch nicht? Oder wird sie gar alle Augenblicke neu geschaffen, gewissermaßen „aktualisiert“ (Lady Gaga aus dem Ticker!)? Ist es das, was man intelligent design nennt? Aber „intelligent“ und Lady Gaga – geht das zusammen?
Schade! Einst war die Schöpfung so schön in Ordnung, doch durch Euren unverantwortichen Umgang mit Gott chaotisiert ihr alles! Und überhaupt: Was sagt der Papst dazu?