Heute morgen übermittelte das Radio dem Noch-Verschlafenen die Nachricht, dass Amerikas Staatsfeind Nummer Eins, Osama bin Laden, von einer Sondereinheit der US Army erschossen worden sei. Zehn Jahre fast währte die Suche nach ihm. Jetzt ist es vollbracht Doch konnte dadurch das Problem aus der Welt geschaffen werden?
Auch wer der Meinung ist, dies sei eine gute Nachricht, konnte sich über die Art, wie sie überbracht und kommentiert wurde, wundern. Als schlimm empfand ich das Triumphgeheul, in das einzelne Radio-Journalisten ausbrachen und dabei in der Metaphernwelt des Sports wilderten. Es sind die gleichen Journalisten, die vor einiger Zeit die christlich-jüdischen Wurzeln unserer Gesellschaft beschworen, um so den Islam draußen vor der Tür zu halten.
Mal abgesehen davon, dass der Rachegedanke eher zum jüdischen Glauben gehört („Auge um Auge, Zahn um Zahn“, fordert das Alte Testament, eben das jüdische), der christliche Glaube will ausdrücklich die Versöhnung. Da befremdet es schon, wenn Christen, auch wenn es nur Christdemokraten sind, von „Erleichterung“ sprechen. Oder gar den Tod von bin Laden „begrüßen“ (Merkel). Nach christlicher Vorstellung ist auch bin Laden ein Ebenbild Gottes. Wer ihn tötet, tötet auch Gott ein Stück. Jesus hat sich übrigens immer wieder mit solchen Typen abgegeben.
Es sei im Kampf geschehen, vielleicht war es unvermeidlich. Doch noch lange kein Grund, in Sommermärchen-Euphorie auszubrechen. Der Tod eines jeden Menschen, und sei es auch der eines schweren Sünders, ist ein Verlust, sollte uns zumindest nachdenklich stimmen.
Die Amerikaner werden trotzdem feiern. Sie sagen, sie seien in besonderer Weise betroffen. Sie praktizieren ja auch noch immer die Todesstrafe, einige sogar selbstherrlich.
Was ist eigentlich so christlich an den Christen?