Gesucht mit internationalem Steckbrief wird der Wikileaks-Boss, ein Australier namens Julian Assange. Doch, angenommen, man findet ihn, wie soll man ihn anreden, wie seinen Familiennamen aussprechen? Doch, doch, er hat einen, selbst wenn er seine familiären Bedürfnisse durch Vergewaltigungen befriedigen sollte, dennoch irgendwie: Lost in pronunciation.
Aus dem Schneider sind die Printmedien, die brauchen die Buchstaben nur abzuschreiben, müssen sich keine Gedanken darüber machen, wie diese auszusprechen sind. Sollte man meinen. Doch die taz findet auch hier noch Schlupflöcher. So gelingt es ihr, auf der Titelseite der Ausgabe vom 1. Dezember 2010 („Enthüllung kommt ganz groß in Mode“), den Nachnamen innerhalb weniger Zeilen einmal „Assange“ und ein weiteres Mal „Assenge“ zu schreiben. Chapeau!
Dafür teilt ein Mitarbeiter namens FRA auf Seite 14 ganz dicke aus: Wer „Assange“ streng auf Deutsch ausspreche, sage auch „Danzig“ statt „Gdansk“.
Da möchte ich dann doch hinzufügen: Wer mit „Gdansk“ „Gdańsk“ meint, sollte es auch so schreiben. Das n mit einem accent aigu drüber (also: ń) habt Ihr doch im Setzkasten! Denn dies ist nicht nur korrekt, es zeigt auch eine andere Aussprache an, etwa wie „gn“ in „Champagner“.
Merke: Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Oder gerade?
Doch es geht hier offenbar um die politisch korrekte Aussprache. Da stellt sich dann noch eine Reihe weiterer Fragen: Wie spricht man „Paris“ korrekt auf Deutsch aus? Muss man sagen: „Ich fahre nach Pari? (in diesem Fall vielleicht mit unterlegtem französischem Akzent: „Isch faré na Pari“) Wie halte ich`s mit „Rom“? „Moskau“, „Warschau“? Ich dachte bisher, Sätze wie: „Ich war noch nie in Roma.“ sagen nur Lernende im 1.Volkshochschulsemester …