Neben mir unterhalten sich im Bus zwei Fahrgäste über das in Berlin derzeit angesagte Thema „Dauerbaustellen“. Der eine verwies auf den Kölner Dom, an dem ja ach noch rumgebaut werde. Baubeginn war 1248. Abschluss? Steht in den Sternen.

Dabei fiel mir ein, dass Köln ja keine U-Bahn hat, jedenfalls keine richtige. „Und wenn se schon mal eene baun wolln, denn bricht se ihn’n unter die Hände wech.“ Kein guter Ausgangspunkt für Kritik an der Lahmarschigkeit Berliner Bauverfahren.

Einst galt die Eisenbahn als die ultima ratio des Transports von Gütern und Personen, ihre Bahnhöfe, zumindest die am Anfang und Ende einer Strecke, als die neuen Kathedralen des industriellen Zeitalters. Doch in der Nutzung der Bahn sahen viele ein Spiel mit dem Tode. Fontane hat’s in Worte gefasst: „Tand, Tand / ist das Gebild von Menschenhand!“ (Brücke am Tay).

Schon längst haben die Flughäfen die Bahnhöfe in ihrer Funktion als Tor in eine neue Welt abgelöst. Bahnhöfe taugen nur noch zum Schoppen. Doch was wird die Flughäfen dereinst toppen? Der Verfall des Flugzeugs vom Luxus-Reisemittel zum Massentransporter kündigt den bevorstehenden Anbruch einer neuen technischen Epoche an. Das Leitbauwerk der Zukunft wird kein Bahnhof, kein Flughafen sein, sondern das Fußballstadion oder auch die Shopping-Mall.

Dass sich geistliche und weltliche Bauwerke in dieser Rolle nicht ausschließen, zeigt das Beispiel Polen, das katholische Polen. Nicht nur ikonographisch beziehen sich die Malls auf die Kirchen. Viele Familien gehen nach dem sonntäglichen Gottesdienst geschlossen zum Einkaufen.

Noch ist der Flughafen nicht aus dem Rennen um das Leitbauwerk. So lange nicht, wie er die Shopping-Funktion zu integrieren weiß. Daher scheint die lange Baudauer nicht unangemessen. Ein Bauwerk für die Ewigkeit – was sind da schon zwei Jahre aufgeschobener Inbetriebnahme! Auch wenn die Ewigkeit manchmal nur ein paar Jahrzehnte andauert.