Bei einem Bundesliga-Fußballspiel am vergangenen Freitag wurde ein Linienrichter von einem gefüllten Bierbecher getroffen worden, er ging kurzzeitig zu Boden. Es hieß in den Meldungen ausdrücklich: Bierbecher, nicht etwa: Bierdose. Oder gar Bierseidel.

Unter einem Bierbecher stelle ich mir ein Styropor- oder Plastikgefäß vor, das kaum ein Eigengewicht aufweist. Harte Gegenstände sind wohl eh in den Stadien verboten. Also war es wohl der Bieranteil, der den Lini niedergestreckt hat.

Je länger ich mir den Vorgang in allen Einzelheiten seines Ablaufs, von dem Gedanken bis zur Tat, vorzustellen versuche, desto unverständlicher wird er. Wenn jemand von Bier in einem solchen Gefäß auf die Knie gezwungen wird, so allein durch innere Anwendung. Sollte es in den Reihen der St-Pauli-Fans einen genialen Schützen gegeben haben, der es fertig brachte, den gefüllten Becher so gezielt zu werfen, dass dessen Inhalt sich in den Mund des Regelwächters ergoss und von dort direkt, – unter Umgehung von Magen und Galle und all dem Zeugs, das da so rumhängt – , ins Blut gelangte?

Sollte es einen solchen Kunstschützen tatsächlich gegeben haben, so ist zu bezweifeln, dass er Fußballfan ist. Denn ein Fan, der Bier nicht selber trinkt, sondern an einen Fußball-Bürokraten quasi verschenkt (wer bekommt eigentlich das Becherpfand?), ist in Deutschland schlechterdings nicht denkbar.

Bleibt nur die These vom gedungenen Attentäter. Oder sollte es gar ein terroristischer Akt gewesen sein? Mein Gott, was ist aus unseren Fußballstadien geworden?! Liebe Terroristen, Ihr habt doch die Deutsche Bahn mit ihren Bahnhofskathedralen. Jede Menge Flughafen-Terminals. Bitte verschont also die Tempel jener Volkskunst, die allein einer ganzen Nation die Arbeitswoche erträglich macht.