Leserbrief von Albrecht Thöne / taz vom 3.9.2015
Ich fasse es nicht! Thöne fragt allen Ernstes, wenn auch rhetorisch verbrämt, ob so Multikulti aussehe. Ja, warum denn nicht?! Oder ist die rücksichtslose Durchsetzung „[christlich-]westlicher Werte“ gegen andere Religions- oder Kulturgemeinschaften Multikult? Wo bliebe denn dann eigentlich das „multi“?, der Respekt vor anderen Grundüberzeugungen. Ach, nur wir haben die einzig richtige? War es nicht Rosa Liebknecht, die darauf hinwies, dass Freiheit die Freiheit des Andersdenkenden sei?
Nein, lieber Albrecht Thöne aus Schwalmstadt, so einfach geht die Chose nicht! Wenn schon Multikulti, dann nicht nur für die Euro-Amerikaner, sondern für alle. Und das bedeutet, dass alle den Bauch einziehen, ein bisschen zurückstecken müssen. Denn wenn jeder seine Muskeln nach Belieben spielen ließe, wären wir bald wieder bei Diktatur oder Anarchie angelangt. Und das wollten wir ja eigentlich nicht, oder?
Um nicht missverstanden zu werden, betone ich nochmals, dass sich Zuwanderer an die Gesetze und sozialen Normen des aufnehmenden Landes zu halten haben. Dies kann aber nicht für die kulturellen oder gar religiösen Bereich gelten, der von dem deut- schen Grundgesetz ausdrücklich für sakrosankt erklärt worden ist.