Heute muss Hertha BSC in München gegen den in dieser Saison schier übermächtigen FC Bayern antreten. Doch nicht der Ausgang dieser Paarung zweier ungleicher Teams interessiert hier, sondern eine Zusatzmeldung: Der Trainer von Hertha, selber aus München stammend, wo auch seine Familie lebt, wird nach dem Spiel nicht zusammen mit der Mannschaft nach Berlin zurückfliegen, sondern in München bleiben. Drei Spieler tun es ihm gleich, sie stammen auch aus der bayerischen Metropole und haben sich bei dem deutschen Rekordmeister hochgespielt.

Wenig anders nur dürfte es bei den übrigen Bundesligavereinen aussehen. Der FC Bayern versorgt einen Gutteil der Konkurrenz Vereine mit seinen Spielern. Er parkt sie bei anderen Vereinen und erwartet, dass sie sich dort, in einem weniger ambitionierten Umfeld als daheim, zu Führungsspielern (Alpha-Männchen) entwickeln, um danach, in der nächsten Verpuppung Phase, nach München zurückzukehren. Dort endlich vermögen sie zum elitären Kreis der ganz Großen zu stoßen, zumal dann, wenn sie über Zusatzqualifikationen wie Doppelkopfspielen verfügen.Egal, ob man dieses Verfahren Kuckucksei-Prinzip nennt oder Derivatenk ultur – es ist ein höchst effektives System der Heranbildung des Nachwuchses. So kann man getrost den letzten Schleier fallen lassen und alle, ja: alle Bundesligavereine „FC Bayern München“ nennen, natürlich mit dem Zusatz einer Kennzahl. Also Bayern München 01 oder Bayern München 17 etwa. Dann wird das ewige Rätselraten ein Ende haben, wer denn deutscher Meister wird: Bayern München natürlich.

Schade nur, dass Derivate durch die letzte Bankenkrise so sehr in Verruf geraten sind.